32. Tag: Von Marxstadt nach Günzburg
In der Nacht ist ein heftiges Gewitter runter gegangen.
Doch der Morgen ist sonnig. Und die ersten Kilometer sind wunderschön.
Wenn der nicht von der Nord Art ausgebüchst ist, dann fress ich ´nen Besen! Was meint Ihr, Barbara/Klaus?
"OOOH what a wonderful morning, oooh what a beautiful daaaaaaaiiiiiiiigitttt!" Die Glücksgefühle hielten für etwa 10 km (von heute 70) vor. Dann kam die Kältekeule, aber so was von kalt. Schnell wieder die Softshell rausgekramt.
Da der Donauradweg bis zu meinem heutigen Ziel deutlich über 90 km veranschlagt, und da ich die Strecke bereits zum 3.Mal unter die Räder nehme, bin ich offen für Alternativen. Höchstadt, Dillingen, Lauingen, Gundelfingen kenne ich. Von Rain, Mertingen, Buttenwiesen, Wertingen, Holzheim, Aislingen habe ich noch nie gehört!
Das ist nicht die Donau. Friederike erkennst Du ihn? Das ist der Lech, der bei Marxstadt in die Donau fließt, und ich bin tatsächlich zuerst den Lechradweg entlang gefahren.
Wie gesagt, die Strecke war schön. Doch der Wind war wirklich hässlich. Frontal und kalt.
Es war vertrackt. Links von mir die bleischweren grauen Wolken, und die Regenschleier, rechts von mir ein ordentlicher bayrischer Himmel, weiß/blau. Und ich immer an der Grenze zwischen dem Reich der Schatten und dem Reich des Lichts - die Sonne hat es einfach nicht auf meinen Weg geschafft. Die Beine meldeten: "Schneller macht wärmer!" und der Rest hat gerufen: "Verdammt, dann ist der Wind ja noch kälter!" Ich kann Euch versichern, heute haben die Beine gewonnen. Und die tauben Finger waren beleidigt. Ich bin nur so durch die Gegend geflogen. Wobei die hervorragenden Radwege und das flache Terrain auch mitgeholfen haben.
Den Wasserbüffeln hat das Wetter heute gefallen, die sahen sehr zufrieden aus (das sind doch Wasserbüffel, Valle, oder?).
Aber es gab auch richtig schöne Momente. Nach 15 menschenleeren Dörfern, fahre ich in Buttenwiesen direktemang auf einen Netto zu. Ich kann es nicht glauben. Es ist 10:50 und ich hatte noch keine 11:00 Banane kaufen können. Perfekt. Und im Eingangsbereich gab es so gar einen Espresso. Die Viertelstunde hat wirklich gut getan.
Und dann durfte ich doch in Reich des Lichtes überwechseln, bzw. der weiß/blaue Himmel kam doch noch über mich.
Da hat der Selbstauslöser der Kamera ein ganz klein wenig übertrieben. Aber schön war die Mittagspause dennoch.
Nach Gundremmingen wähnte ich mich fast am Ziel.
Wenn ich in "Heimatkunde" besser aufgepasst hätte, wäre ich gewarnt gewesen. Denn gleich danach überquerte ich die Mindel." Riss-Günz-Mindel und Würm", was war da noch gleich?
Richtig, die 4 Eiszeiten! Und? Heute hast du dir die Heimatstundestunde erstrampelt. Nach der Mindel geht die Endmoräne hoch und nicht schlecht! Ja, die Gletscher halt. Schon erstaunlich, dass die alten wie die neuen unseren Alltag mitbestimmen, ob es sie noch gibt oder nicht. Aber wo ist noch mal die Würm? Auf dem Fahrrad habe ich es nicht ergrübelt. Hier im Hotel habe ich es kurz nachgeschlagen: Die Würm heißt heute nicht mehr so. Es ist die Amper, der Fluss der aus dem Starnberger See fließt. Sind wir auch schon einige Kilometer entlang geradelt - nach München rein. Ich erinnere mich, da gab es auch lehrreiche Tafeln. Aber es goss damals in Strömen (nur zu meiner Entschuldigung sei dies erwähnt).
Oben am Rand der Endmoräne, mit Blick auf das Günztal und das Donautal steht die Napoleonslinde.
Die hier ist schon die Zweite. Zur Erinnerung an eine glückliche Rettung.
1805 lagerten dort französische Truppen. Als sie abziehen sollten, stellte man fest, das 2 Soldaten fehlten. Man fand sie in der Nähe - ermordert. Daraufhin erließ der Kommandeur den Befehl Reisenburg zu plündern und die Einwohner zu töten. Der Bürgermeister und seine Tochter schafften es jedoch, den Kommandeur zu beschwichtigen und von dem Vorhaben abzubringen. Wäre interessant zu wissen ob die beiden Französisch konnten - oder der Kommandeur Deutsch.
Zum Dank für die Errettung wurde nämliche Napoleonslinde gepflanzt.
Von dort war ich in Nullkommanichts - bergab - in Günzburg.
Nicht ganz so leicht war es in mein Hotelzimmer zu kommen.
"24 Stunden Easy Check-in" - von wegen. Ich mache alles, wie vorgeschrieben. Aber die Maschine will mir einfach keine Chipkarte ausspucken. Vielleicht liegt es daran, dass ich 14:45 versuche einzuchecken, wo doch erst ab 15:00 Einlass gewährt wird. Von wegen 24 Stunden check-in. Ich warte geduldig bis 15:00 - aber auch dann das gleich Ergebnis. Ich rufe die Telefonnummer an der Tür an. Tatsächlich geht jemand ran. "Kleinen Moment haben wir gleich. Wie war noch mal der Name? Dann höre ich ihn mit jemand reden. Dann fluchen, dann nichts. Ich frage: "Sind sie noch da?" "Ja, ich rufe sie zurück!" Das hört sich ganz schlecht an. Aber tatsächlich nach 5 Minuten ruft er zurück. "Geben sie die Buchungsnummer ein, dann sollte es klappen!" Tut es aber nicht. Noch einmal ausgiebiges Fluchen am anderen Ende. "Waren Sie nett zur Maschine?" - "Zumindest nicht ausfallend." Versuchen Sie es noch einmal. - Und tatsächlich, nach etlichen Versuchen spuckt die Maschine tatsächlich meine Chipkarte aus. So viel zum technischen Fortschritt.
Über meine Stadterkundung werde ich jetzt nicht mehr ausführlich berichten. Günzburg ist eigentlich ganz nett- wenn man auf dem Marktplatz und seine nähere Umgebung bleibt.
Die die Stadtkirche zur Lieben Frau ist eine Überraschung. Vor allem das Deckengemälde von Anton Enderle (1741) ist nicht uncharmant, vor allem die Darstellung der 5 Erdteile, wie sie der Jungfrau Maria huldigen.
Das absolute Highlight des Rundgangs war aber die Tafel zur Würdigung von Dr. Josef Klimm "wohnhaft daselbst" - Geboren in Hundsknoppernreuth/Oberpfalz und gestorben in Günzburg. Weggefährte von Friedrich Ludwig Jahn (dämmert es Euch? Unglaublich, oder?) 1819 hat er seine Dissertation vorgelegt Über die „Exemplarische Exploration der Extension der oberen Extremitäten“.
Ich fasse es nicht. Ich stehe hier vor dem Wohnhaus des Erfinders des Klimmzuges!
Noch eine Fun-Fact, - habe ich eben gegoogelt , der Klimmzug hatte gute Chancen nach Abschaffung des Seilziehens, Olympische Disziplin zu werden. Dummerweise haben die Deutschen dann zwischenzeitlich einen Krieg angezettelt und durften bis 1924 nicht mehr mitspielen.
So jetzt ist es aber gut, mit Geschichten. D.h. nachtragen muss ich noch, dass sowohl Herr S. aus E. als auch W.W. aus G. mir aus der Patsche geholfen haben und die 7 Schwaben mühelos zuordnen konnten.
Wobei WW aus G. meiner Behauptung, das der Seehas aus Überlingen kam, vehement widersprochen hat.
"Voran ging der Herr Schulz, der Allgäuer. Er wurde so genannt, weil er aus dem Allgäu stammte.
Dann kam der Jackli, genannt der Seehas, weil er aus Überlingen am Bodensee kam.
Dann kam der Marti, genannt der Nestelschwab. Er hatte statt der Knöpfe Nesteln an den Hosen.
Dann folgte der Jergli, der Blitzschwab. Er hatte sich die Redensart "Potz Blitz" angewöhnt. Deshab wurde er so genannt.
Als nächstes ging der Michael, der Spiegelschwab. Er hatte die Gewohnheit, seine Nase immer an den Ärmeln abzuputzen, der davon einen gewissen Spiegelglanz annahm.
Der Hans, der Knöpfleschwab, war der Vorletzte. Er verstand es, gute "Knöpfle" zu kochen.
Und zuletzt der Veitli, das war der Gelbfüßler, Bopfinger wollte einst einen Wagen voller Eier...."
Ja kennen wir, üble Nachrede Fakenews !!
Vielen Dank, W.W. auch wenn dadurch die genaue Herkunft von 5 der 7
Herr S. aus E. konnte in dieser Hinsicht tatsächlich weiterhelfen:
""Der Blitzschwab und der Allgäuer wollten den Nestelschwaben schier verachten, darum, dass er ein Schweizer und vom Geschlechte der Kuhmelker sein möchte." - So geht's einem, wenn unklar ist, woher man kommt!"
So jetzt soll es für heute genug sein.
Ich wünsche noch einen schönen Abend und eine geruhsame Nacht.
Bis Morgen!










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