die Karte
Mit Abstand der beste Gastgeber auf dieser Reise. Bei einem gemütlichen Frühstück habe ich heute abgewartet, bis die Regenfront abgezogen war und habe mich bei den ersten Ansätzen von blauem Himmel aufs Rad geschwungen. Danke Carlheinz.
Es geht die Blau aufwärts. Noch ist wenig Blau am Himmel. Sehr frisch der Wind.
Heute Morgen hätte ich locker für eine vierköpfige Familie eine Schneckenvorspeise von der Straße aufsammeln können. Die alle sind auf dem Weg vom Wald in die Wiese.
Ich habe mich sehr bemüht keine zu überfahren, was mir auch gelungen ist.
In Blaubeuren muss ich natürlich zumindest einen Blick auf den Blautopf werfen.
"Der Blautopf (1)
ist der große runde Kessel eines wundersamen Quells bei einer jähen
Felsenwand gleich hinter dem Kloster. Gen Morgen sendet er ein Flüsschen
aus, die Blau, welche der Donau zufällt. Dieser Teich ist einwärts wie
ein tiefer Trichter, sein Wasser von Farbe ganz blau, sehr herrlich, mit
Worten nicht wohl zu beschreiben; wenn man es aber schöpft, sieht es
ganz hell in dem Gefäß.
Zu unterst auf dem Grund saß ehmals eine
Wasserfrau mit langen fließenden Haaren. Ihr Leib war allenthalben wie
eines schönen, natürlichen Weibs, dies eine ausgenommen, dass sie
zwischen den Fingern und Zehen eine Schwimmhaut hatte, blühweiß und
zärter als ein Blatt vom Mohn."
Das Farbspiel heute war wirklich sehr beeindruckend. Und das Wasser unglaublich klar. Die schöne Lau war heute eindeutig nicht zuhause. Eduard Mörike hat das im "Stuttgarter Hutzelmännle" schon sehr treffend beschrieben.
Diese Beschreibung des Blautopfs deutet an, dass zu Mörikes Zeit sehr ernsthaft darüber diskutiert wurde, wie dieses Phänomen zu erklären sei, dass das Wasser blau erscheint, und wenn man es schöpft aber keine Farbe mehr hat.
Der Zungenbrecher vom "Klötzle Blei, glei bei Blaubeura" gehört übrigens auch zu dem Märchen von der schönen Lau. Die von ihrem Mann einem Nix im Schwarzen Meer in den Blautopf verbannt worden ist, weil sie, wie man heute sagen würde, depressiv geworden war. Sie durfte erst zurück kehren, wenn sie 5x gelacht habe.
Aus Blaubeuren geht es ins Achtal und gleich kommt das nächste Highlight.
Zuerst Geißenklösterle
Und dann die Hohle Nadel. Beides Weltkulturerbestätten. Hier wurden die bislang ältesten "Kunstwerke" gefunden, wie die Venus vom Hohle Fels, eine Ente und ein Löwenmensch und eine Knochenflöte. Diese Funde sind etwa 40.000 Jahre alt.
Ich bin schon einige Male an diesen Abri vorbeigeradelt und nie bestand die Möglichkeit diese "Halbhöhlen" zu besichtigen. Welche Überraschung! Heute war der Hohle Fels geöffnet.
Ein junger Archäologe aus Tübingen erklärte, dass sie gerade eine neue Grabung vorbereiten. Hier an der tiefsten Stelle werden sie bei 70.000 v.Ch. weiterforschen. Die Höhlen und das Grabungsloch haben mich sehr beeindruckt. Glück muss man haben.
Dann das Tal der Schmiech
Fifty shades of green. EIGENTLICH!! ist es wunderschön hier, wenn nur der verdammte kalte Gegenwind nicht wäre. Scheint die Sonne Jacke aus! Kommen Wolken Jacke wieder an. Es nervt.
Ehingen erkennt man schon von Ferne
Und in der Stadt ist heute "Liebherr Familientag". Straßen sind abgesperrt und die Massen strömen in die Halle. Aber noch hat "es", was immer geboten wird, nicht angefangen.
Wenn Komoot eine "Abkürzung" kennt, dann geht es meist in die Hügel. So auch heute. Da ich die Strecke hier schon mehrfach gefahren bin, lasse ich mich gerne auf ein Experiment ein. Hat sich gelohnt.
Schloss Mochental ist immer ein Hingucker. Das "Besenmuseum", das sich dort befindet kenne ich schon, ist nett. Aber muss man nicht zweimal gesehen haben.
Spätestens bei Lauterach ist es klar, ich schrappe am Rand der Schwäbischen Alb entlang. Die Hänge werden steiler.
Und die Dinkelfelder häufiger.
Mit Dinkelmehl werden Spätzle einfach besser.
Kurz vor Obermarchtal mündet die Lauter in die Donau.

Obermarchtal hat mich immer schon beeindruckt. Heute soll es Etappenziel sein.
Obermarchtal ist von Außen sehr viel beeindruckender als von Innen.
So viele Putten habe ich noch nie auf einem Haufen gesehen. Selbst Birnau kommt da nicht mit.
Allein an diesem Seitenaltar sind es mindestens ein Dutzend.
Aber der Gipfel der bigotten Geschmackslosigkeit ist diese Darstellung.
Man kann es kennen, wenn man genau hinschaut. Aus den Wundmalen Jesu spritzt das Blut in Hohen Bogen heraus und niedliche Putten fangen das Blut mit Goldenen Kelchen auf, - um es "zur Eucharistiefeier" rüberzubringen. Da schüttelt es einen doch.
Geschüttelt hat es mich dann etwas später auch im Biergarten des schönen Klostergasthofes. Es hätte wirklich ein schöner Tagesausklang sein können. Oben auf dem Klosterdach klappern die Störche, das Essen ist gut, - nur der verdammte kalte Wind vermiest die Laune.
Jetzt ist Schluss mit Genuss!!
Hier im Klosterbiergarten ist die Entscheidung gefallen. Ich werde versuchen Morgen bis nach Hause zu fahren!
35 Tage und 1.600 km sind doch auch nicht schlecht, oder!
Ihr werdet erfahren, wie der Plan aufging.
Ich wünsche Euch einen schönen Abend und eine geruhsame Nacht.
Bis Morgen - oder für einen Schlussbericht am Montag.
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