31. Tag: Von Vohberg nach Marxstadt

die Karte 



Der Morgen begann schön, kühl aber sonnig. Der Weg entlang der Donau war auch schön. Beides sollte heute nicht so bleiben. Bis Ingolstadt war es noch sonnig, aber der Wind nahm zu.

Ingolstadt, Ingolstadt? Es hat heute Morgen ein bisschen gedauert, bis mir der Titel des Theaterstückes wieder einfiel, den man mit Ingolstadt verbindet. Klar, "Fegefeuer in Ingolstadt" und die "Pioniere von Ingolstadt". Leider habe ich, bei meiner zugegeben etwas kurz ausgefallenen Stadterkundung, das Denkmal für Marieluise Fleißer  nicht gefunden. Die Stadt hat ja auch ziemlich lange gebraucht, bis sie sich mit ihrer "Nestbeschmutzerin" versöhnt haben. In der Hochphase des Brechtbooms, sind die Stücke ja häufig gespielt worden. Heute ist es deutlich stiller um die Fleißer geworden, - aber auch um Brecht.

Würde mich interessieren, ob man die Stücke heute noch sehen kann. 


Das "Neue Schloss" ist einfach ein Hingucker! Rein muss man nicht, es sei den man interessiert sich für Militärgeschichte. 


Dann ein bisschen Markt, - noch nicht viel los, und das Alte Rathaus, 

Die Innenstadt ist noch nicht so richtig in die Gänge gekommen.


Jetzt gibt es kein Vertun mehr, ich komme der Heimat näher. Die Sieben Schwaben in Ingolstadt? Kommt einer aus dieser Gegend? Eher nicht. Aber bekommt Ihr die 7 zusammen, und wenn ja, woher sind sie? Also der Seehas, klar aus Überlingen, der Gelbfüßler aus Baden, der Knöpflesschwab, kommt woher? Und der Blitzschwab ? und der Spiegelschwab? Das wären 5, wenn der Allgäuer nicht unter den 5 ist, dann wären es 6. Wer kann mir helfen!
Das Bild ist übrigens u die 250 Jahre alt und zierte eine "Schwabenbrauerei"
Im Café gegenüber habe ich Pause gemacht, der Espresso hat mir nicht auf die Sprünge geholfen.
Dann eben wieder raus aus Ingolstadt.


Aus dem Kreuztor raus, das ist das älteste der Stadt und stammt aus dem 14. Jahrhundert. Nicht annähernd so alt sind die Schanzen, woher die Ingolstädter "Schanzer" ihren Spitznamen haben. Die noch immer gewaltige Anlagen wurden von Ludwig I im 19.Jahrhundert wieder aufgebaut, nachdem sie Napoleon hatte schleifen lassen. War wohl ein ziemlicher Quatsch,- zu diesem Zeitpunkt längst überholt. Ingolstadt lag mitten in Bayern. Selbst Ulm, wo Mitte des 19.Jh. auch noch kräftig "geschanzt" wurde, hatte keine wirkliche militärische Bedeutung mehr, aber da war immerhin eine Grenze zwischen Bayern und dem Königreich Württemberg. Auch damals schon Symbolpolitik um jeden Preis.


Beim Rausfahren aus Ingolstadt ziehen Wolken auf. Dunkelgraue Wolken ziehen über diese Mais-und- Rüben Ebene. Dann bietet die Schilder 2 Routen nach Neuburg an der Donau an. Komoot will links, ich entscheide mich dagegen. Das war ein grober Fehler. Das ruft mir auch ein offensichtlich ortskundiger Radler zu, "falsche Seite!" -  Ich rufe: "Genau!", ich dachte er meint, dass er Rücken- und ich den Gegenwind habe. Welch ein Irrtum, er meinte, die Bergetappe, die vor mir lag. War alles machbar, es hat auch nur wenig genieselt und der Gegenwind war auch nicht schlimm - und wer weiß, vielleicht standen ja die Wege auf der anderen Flussseite unter Wasser!  
In Neuburg an der Donau regnet es ein wenig mehr. 


Stadtbesichtigung im Regen? Nö, am Horizont, wo ich hin muss wird es schon wieder heller. 
 

Hinter Bittenbrunn sind Felder völlig zerstört. Hier wurde wohl bewusst geflutet.


 Und wenig später eine neue Anlage mit Schleusen und einer Fischtreppe.




Das sieht sehr gekonnt aus. Wahrscheinlich eine Reaktion auf die Flut von 2013, welches das 5. "Jahrhunderthochwasser" seit 1988 war - und inzwischen ist noch eins dazu gekommen.

Hier ist eine Schleuse offen, und das Wasser läuft erst in eine Art Auenlandschaft, dann in einen "Flutpolder". 


Ist die Messlatte zu erkennen? So hoch darf hier das Wasser die Zone fluten. Wiederum einige Kilometer weiter oben die eigentliche Schleuse zu der Auenlandschaft und den Poldern.


Hinten links ist sogar ein kleines Infocenter.  Dort liegt eine Broschüre aus: "Flutpolder Riedensheim".  Da wird genau beschrieben, wie die Anpassung der Auwaldfläche ab 850m³/s in der Donau, die Flutung eingeleitet wird. Dann können ca. 88 ha Auwald geflutet werden und danach die Polder. "die maximal überflutete Fläche beträgt ca. 220 ha, maximales Poldervolumen 8,1 Mio m³, mittlere Stauhöhe 4,5m."
Das hört sich doch nach einem durchdachten Hochwassermanagement an. die 5 Schleusentore sind, wie mir scheint, inzwischen wieder geschlossen. 
Am Antoniberg ist die natürliche Begrenzung des Polderfeldes.



Und unterhalb des Antoniberges, in Steppberg bereitet man sich auf das Fest des Hl. Antonius vor.



Als ich an der Dame vorbeifahre, die sehr akribisch Eichenzweige abschneidet, muss ich natürlich halten und sie fragen, was sie mit dem Eichenlaub vorhat. "Des is doch für den Hl. Antonius, da macha ma schöne Bögen für Morgen" Ah ja, natürlich Banause der ich bin, hatte ich natürlich nicht auf dem Schirm, das Morgen Antonius ist. Wie wäre es, Mom, mal zur Abwechslung dem Hl. Antonius was spendieren, ohne dass man schon was verlegt oder verloren hat. Einfach so! 

Und keine 100m  weiter, steht ein gelber Container auf der Straße, und weitere 200 m weiter noch einer.



Jetzt bin neugierig geworden. Ich schaue in den Container, aus dem es heftig muffelt. Kein Zweifel, hier wurden Keller, nachdem sie voll gelaufen sind, entsorgt.

Und ganz in der Nähe stehen zwei Damen am Gartenzaun und unterhalten sich. Da stelle ich mich dazu.
"Hatten Sie hier Hochwasserschäden?" "Ja, bis 3 Häuser weiter unten war es ganz schlimm. Hier bei mir haben 10 cm gefehlt." Und auch die andere Dame ist noch einmal glimpflich davon gekommen. "Aber in der Unteren Straße, da ist das Wasser einen Meter hoch gestanden."
"Ich bin gerade durch die Flutpolder gekommen, haben die denn nichts genützt?" Da lachen die beiden Damen eher böse auf. "Die Polder? Die haben die Schleusen doch gar nicht aufgemacht. Die haben die Polder nicht geflutet!" "Ja, wie das denn, damit hätte der Wasserspiegel auf dieser Seite doch gesenkt werden können." "Die Feuerwehr hat gesagt, das hätt nix gebracht. Höchsten 20-30cm, das hätte sich nicht gelohnt!" "Aber hier sind doch die Keller vollgelaufen!" "Genau, des versteh, wer will! Wahrscheinlich, wäre die Entschädigung für die Bauern teurer gekommen, für den Krempel aus dem Keller kriegst eh nix." "Aber da sind doch Millionen verbaut worden!" "Genau, mir verstehn des alles a net!"
Was für eine Geschichte!! Ich bin platt. Wir unterhalten uns noch ein wenig. Dann mache ich mich weiter auf den Weg. "Ich drücke Ihnen die Daumen, dass das Hochwasser jetzt rum ist!" Sie winken mir freundlich nach.
Vielleicht wäre es gut, am nächsten 5. Mai ein paar Eichenlaubbögen für den Hl. Florian zu binden. Ich meine ja nur - für alle Fälle!
Hinter Bertoldsheim sind noch einmal einige Felder geflutet worden.


Das Spiel kennen wir so langsam. Was schätzt Ihr? Schuhe ausziehen oder anlassen? Das war hier wirklich eine knifflige Entscheidung. 50:50. Ich lasse die Schuhe an, und sie werden wirklich nur ein klein wenig nass - und Marxstadt ist eh gleich um die Ecke.
Mein heutiger Zielort ist noch kleiner als Vohburg gestern. Aber der "Landgasthof" ist wirklich spitze, es gibt was zu essen und Morgen Frühstück. Was will ich mehr.

Mal sehen, was es gleich gibt. Ihr wisst ja.
Mittwoch ist Schnitzeltag
Bussi Ba Ba







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