29. Tag: in Regensburg

 


Den "Ruhetag" habe ich aus dem Titel des heutigen Beitrags wieder gelöscht. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich an einem Tag schon einmal in mehr Kirchen war - nicht einmal in Rom. Vollstes Programm. 

Und dann noch 2x90 min Geschichtsunterricht. Einmal vom Feinsten, einmal "wie komme ich aus diesem Keller unentdeckt raus".

Keine Sorge, ich wiederhole jetzt keine 3 Stunden Geschichtsunterricht!! Aber spannend war es schon.

 Zuerst mache ich mich heute Morgen zur "Schottenkirche" auf. Die hat mir gestern mein Regensburg Patriot in der Mittagspause eindringlichst empfohlen. Und das völlig zurecht.

Vor allem das romanische Portal ist sehr ungewöhnlich.


Ist das Krokodil nicht klasse! Es ist im Begriff eine Kugel zu fressen.

Das ist jetzt mal was für unsere Rätselfreunde: Diese Kugel nennt man "Enidros". Jetzt googelt man schön, ob Ihr herausbekommt, was es damit auf sich hat. Über dem Krokodil sitzt übrigens der Antichrist, - falls das jemand interessiert.


Was das geflügelte Drachenkrokodil im Maul hat, habe ich nicht herausbekommen. Das Portal ist unglaublich reich an Ornamenten und Verzierungen und äußerst rätselhaften Figuren. Entstanden ist es wohl im 11.Jahrhundert als "miseri peregrine", benediktinische Wandermönche aus "Schottland" (wahrscheinlich Irland) hier missioniert haben. Das war die 2.Welle der Klostergründungen auf dem Kontinent.

Das war das erste - für mich fast das schönste - Highlight des Tages.


Um den "Reichssaal" und das alte Rathaus betreten zu dürfen, muss man sich einer Führung anschließen, was ich normalweise nicht so gerne mache. Aber der "immerwährende Reichstag" zu Regensburg das kann ich nicht auslassen. Ich bin der einzige, neben einem amerikanischen Paar, das zwei "Telefone" in die Hand gedrückt bekommt, der sich zur Führung angemeldet hat. 
Eine sehr  kompetente Historikerin führt mich durch das Rathaus,- ich fühle mich fast ein bisschen unsicher, dass so viel Fachkompetenz an eine einzige Person "verschleudert" wird, aber was mut das mut.


Was sie wirklich toll erzählt, ist die Abhängigkeit Regensburgs von diesem Reichstag. Just, als der Luxushandel nach dem Osten (wie sie sagt) zusammenbricht, hängt der Reichstag in Regensburg fest. Wortwörtlich, nach dem 30jährigen Krieg ist die Position des Kaisers geschwächt. Weitere Unterstützung machen die Kurfürsten von immer neuen Forderungen abhängig. Die Diskussionen drehen sich im Kreis. Der Kaiser benennt als seine Vertreter die Thurn und Taxis, die ziehen von Frankfurt nach Regensburg. Und alle anderen auch. Der Berufspolitiker ist geboren. Bis 1806, über 150 Jahre hat Regensburg eine solide Einnahmequelle. Die Zünfte, das Handwerk, hat in Regensburg ganz offensichtlich nie eine besondere Rolle gespielt.
Aber jetzt komme ich doch ins Geschichte-Erzählen. 
Die Gänge in die "Folterkeller" - der "Gruselfaktor" einer solchen Führung macht sie auch sehr kompetent und ich schenke mir entsprechende Fotos. 

Die Thurn und Taxis haben Montag Ruhetag. Sankt Emmeram ist blattgoldbarock pur (ihr merkt, ich habe so langsam meinen Weihrauchblattgoldjumm weg). 
Aber eine Sache interessiert mich nun doch.
Die Präsentation der Funde unter dem Niedermünster.

Bei dem Umbau in den 70iger Jahren, sollte eine Fußbodenheizung eingebaut werden. Bei den Baumaßnahmen stießen sie auf römische Funde und 4 Vorgängerkirchen.  Diese Funde sind jetzt zugänglich. Sehr gut gemacht.

Leider war die "Führung" etwas chaotisch. Die Dame war mit der Technik nicht vertraut und auch sonst etwas unsortiert.
Unter der ganzen Altstadt liegt eine römische Garnison





Nachdem nach dem 4. Jahrhundert mit den Römern Schluss war, und sie sich zurück gezogen haben, blieben die Befestigungen erhalten und wurden auf unterschiedlichste Weise weiter genutzt. 
Die Porta Praetoria ist eines der Haupttore von "Castra Regina", die bis zu 6000 Soldaten beherbergte.
Überall sind in der Stadt "Römerreste" zu finden. Sogar, eine Mauer des Frühstücksraumes des "Roten Hahns" in dem ich nächtige hat eine "römische Mauer".



Das war wirklich extrem spannend, wie sie hier unter der Kirche, die verschiedenen Epochen herausgearbeitet haben und wie die Römermauern v wurde, wie man "gutes Mauerwerk" einfach weiterverwendet hat.
Genau so hat Kultur immer funktioniert, man hat sich an allem bedient,-  und was brauchbar war wurde "angeeignet". "Kulturelle Aneignung" ist der Motor dessen, was wir "Fortschritt" nennen.

Abschottung führt zu Schimmelbildung!!!!

Mit einem holländischen Ehepaar waren wir zu Dritt in  dieser "Unterwelt". Erstaunlich für so ein "highlight". 

Wenn schon Geschichte, dann richtig. Eine geht noch! Sorry, Regensburg hat mich komplett geflashed.


Und ein bisschen Soap muss sein. Das ist das "Goldene Kreuz". Edelabsteige für die Creme de la Creme. Karl V ist hier mindestens 3x abgestiegen und einmal hat es gefunkt, -mit der Bürgerlichen Gürtlerstochter Barbara Blomberg. Auch ihre Schönheit wird gerühmt, aber nicht so "gruselig" wie die Schönheit der Agnes Bernauer, erinnert Ihr Euch?
Hier im "Goldenen Kreuz" oder wo immer in Regensburg wurde ein Held gezeugt. Auf dem Foto am rechten Rand ist folgende Inschrift:

In disem hauß vonn alter art,
Hat offt geruet nach langer fahrdt,
Herr Keyser Carl der fünfft genandt,
In aller Welt gar wohl bekhannt,
Der hat auch hie zue gueter stundt,
Geküsset einer Jungkfraw mundt,

Dieselb die hiess bey fern und nah,
Man nur die scheene Barbara,
Ihr Stamm war pieder, schlicht und recht,
Plumberger schrieb sich das geschlecht,
Dem bracht deß Keysers Lieb vil leid,
doch trost und Heyl der Christennhait,

dann draus erwuchs, dem Vatter gleich
der Don Juan von Österreich,
der bey Lepanto in der Schlacht,
Vernichtet hat der Türckhen Macht
der Herr vergellts Ihm alle Zeit,
So yetzt wie auch in Ewigkeit.“

Der "schönen Barbara" hat die "Begegnung" mit Karl V wohl nicht so viel Glück gebracht. Der Don Juan von Austria, der Held von Lepanto hat seine Mutter, wahrscheinlich nur einmal getroffen. Er wurde ihr gleich nach der Geburt weggenommen und in Spanien erzogen. 
Das wäre doch ein Romanstoff, den man durchaus noch einmal neu erzählen könnte.

Aber jetzt ist dann wirklich Schluss mit Geschichte.

Zum Schluss noch ein weiteres kleines Rätsel:



Wie heißt der gute Mann? Und welchen Beruf hat er? Und das Bild ist nicht gekippt!

Und denkt bitte dran:





 














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