28. Tag: Von Straubing nach Regensburg

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Ein grauer Morgen, es nieselt ein wenig. Noch ist diesem Sonntagmorgen nicht anzumerken, dass es ein nahezu perfekt Tag wird.

Immerhin bei der Rausfahrt aus Straubing, keine gesperrten Wege. Der Donauradweg ist nicht geteert aber sehr gut befahrbar.


Das ist mir schon einmal aufgefallen, dass die Flusskreuzfahrten nicht im Stadtzentrum größerer Städte anfangen oder enden, sondern manchmal an kleinen Orten Engelhartszell oder Pöchlar oder wie hier mitten in der Pampa. Ist es da billiger zu ankern? Oder hat es mit dem Hochwasser zu tun, dass bestimmte Abschnitte auf der Donau noch immer für den Schiffsverkehr gesperrt sind?
Keine Ahnung.
Nachdem der Regen aufgehört hat ist es ein wunderschöner Morgen. Kühl und wolkenverhangen, aber perfekt.

Wisst Ihr wie Radfahrer-Romantik-Kitsch geht?

Das Rad surrt, weil es frisch geölt ist, ein Specht hämmert links von dir vor sich hin, ein Kuckuck kuckuckt rechts, Frösche quaken, eine Lerche steigt auf und singt, ein Falke rüttelt und in der Ferne hört man Kirchenglocken!
Kein Scherz! Genau so war der Morgen! Und sonst nichts. Kein Motorenlärm, kein Flugzeug, kein Motorrad das aufheult, einfach schön.


"besser geht´s ums Verrecka ned!"
Dem kann man nur zustimmen.


Wörth an der Donau, das sieht doch gut aus. Ich habe heute Zeit! Es läuft wie geschmiert.
Aber der Umweg hat sich nicht gelohnt. Selbst der Kaffee war schlecht.

Vor Frendkofen mache ich Brotzeit. 


Wieder ein Flusskreuzfahrtschiff mitten in der Pampa, die "Rossini".  Ein junger Mann kommt vom Schiff. Wahrscheinlich ein Angestellter. Ich vermute er hat heute frei, bis die neuen Gäste kommen. Er kommt auf mich zu.
"Arbeiten Sie auf dem Schiff?" "Ich? Nein",  er lacht freundlich. "Ich wohne hier." Jetzt bin ich verwirrt. "Sie wohnen auf dem Schiff?" "Ja, das ist... wie sagt man, eine... Unterkunft für... Geflüchtete." Das gibt es doch nicht. "Wie viele Menschen wohnen auf dem Schiff?" "Über 200". "Hauptsächlich junge Männer?" "Nein, auch Frauen und Familien." Puja, er kommt aus dem Iran, spricht recht gut deutsch und freut sich sichtlich mit mir zu spreche. "Wie lange sind sie schon hier auf dem Schiff?" "6 Monate" "Ist es nicht schrecklich, so weit weg von der Stadt zu leben?" "...Nein, ist schon gut." Gleich am Schiff ist eine Bushaltestell, in 5 Min. soll der Bus nach Regensburg kommen. "Kommt oft zu spät", meint Puja. Aber immerhin, eine Bushaltestelle gibt es.


Puja ist ein sehr sympathischer junger Mann, er freut sich sehr, als ich in frage, ob ich ein Foto von ihm machen darf. Er fährt gleich nach Regensburg, um sich dort mit seine Freundin zu treffen.
"Ich wünsche Dir alles erdenklich gute, Puja!" - Nach seinen Bleibechancen habe ich ihn lieber nicht gefragt.

Inzwischen ist an meiner Brotzeitbank noch ein älteres Paar angekommen. Sie sind aus Regensburg und geben mir gute Tipps, was ich mir alles anschauen muss.

"Ist doch schön, dass sie für die Geflüchteten auf dem Schiff hier extra eine Bushaltstelle eingerichtet haben."
"Na so war das net, zur Zeit ist die Straße oben gesperrt und der Bus wird umgeleitet. Die Flüchtlinge müssen normalerweise hoch an die Straße. Und so lange liegt das Schiff noch nicht hier, es lag bis vor ein paar Wochen weiter oben, näher an .. (habe ich vergessen). Da haben die Leut protestiert, die wollten die da net haben. Und jetzt liegt das Schiff halt hier."
Ich merke, es ist besser, wenn ich das Thema wechsle, ich will mir meinen schönen Sonntag nicht versauen.
Wir kommen auf Regensburg zurück. Er ist ein richtiger Lokalpatriot. "Wussten sie, dass Regensburg die nördlichste Stadt an der Donau ist?" Wusste ich nicht, aber nette Fun-Fact. 
Sie ist nicht so die positive Person. "Net alles ist schön in Regensburg. Viel Geld halt, und kein´ Gschmack."

Jetzt bin ich richtig gespannt auf Regensburg.
Mein Hotel ist in der Altstadt, der "Rote Hahn". Und die Anfahrt ist wirklich spektakulär. Ein unglaubliches Gewirr an Sträßchen und Gässchen. "Die größte komplett erhaltene Altstadt - einer Großstadt" hat mein Lokalpatriot bei der Mittagspause gemeint. Und groß ist die Altstadt wirklich.



Und sehr beeindruckend. Kein Wunder, dass sie unlängst zum Weltkulturerbe erklärt worden ist.




Wohntürme wie in San Gimignanio,  Mittelalter, Renaissance, Romanik... ich bin sehr gespannt auf Morgen. Hier mache ich meinen letzten Ruhetag dieser Reise. Und gleich gehe ich noch einmal runter aus meinem "Wohnturm" und schaue, was die Stadt heute Abend so treibt.

Euch noch einen schönen Sonntag!
Bis Morgen.



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