die Karte
Das Kloster ist riesig - und leer. Den Weihrauchgeruch bilde ich mir 100%ig nicht ein. Gestern Abend, waren 1-2 Benediktiner in ihren schwarzen Kutten unterwegs. Von irgendwo her kommen Gesänge, wahrscheinlich aus der Kirche.
Kein Wunder, dass ich heute Nacht Alpträume aus meiner frühen Jugend hatte! Ich war wohl so 13-14, vor der Firmung vermutlich, da wurde die katholische Jugend Geislingens obligatorisch zu Exerzitien ins Kloster Neresheim geschickt. Das katholische Aufklärungsprogramm. Was kam da heute Nacht aus den tiefsten Tiefen zurück? Mein erster Rausch, Erdbeerkuchen mit Pils (Gruppenzwang - ganz ekelhaft!), Bruder Kellermeister, der immer ein paar Gläser unter seiner "schwarzen Kutte" hervorholte. Ganz klar!! Das waren auch Benediktiner. Bruder Kellermeister zeigte uns gerne seinen Keller. Keine Sorge, jetzt kommt keine "mee too" Enthüllung. Bruder Kellermeister nahm nur gern Buben in den Keller mit und ließ sie vom Klosterwein kosten. Sonst geschah, meiner Erinnerung nach nichts. Traumatisches geschah oben, in den "Seminarräumen", wo wir vor den verheerenden Wirkungen der "Selbstbefriedigung" eindringlichst gewarnt wurden. Weil nämlich, die "edelsten Säfte des Mannes" aus dem Rückenmark kommen, und wenn man sie über Gebühr "verschleudert", wird der Mann immer schwächer, - das kann bis hin zu "Rückenmarkschwindsucht" führen. "Rückenmarkschwindsucht" ! Bis heute Nacht im Benediktinerkloster zu Schweiklberg hatte ich nicht mehr gewusst, dass ich dieses Wort in meinem Wortschatz habe.
Am nächsten Morgen schleiche ich durch die langen Gänge, um das Frühstückzimmer zu finden.
Und komme an zahlreichen Vitrinen vorbei, die die Brüder während ihrer Missionsarbeit so gesammelt haben. Afrikanische Vitrinen, Südamerika, und viel Asien.
So weit ich das beurteilen konnte, waren die "Beutestücke" nicht wirklich wertvoll. Mitbringsel halt. Und manches sollte einfach die Erfolge der Missionierung in fernen Ländern belegen.
Ist die japanische Madonna mit dem Kind nicht putzig?
Das Frühstückszimmer erweist sich als "Saal", mit einem lebensgroßen Gekreuzigten an der Stirnseite.
Draußen übt eine Blaskapelle. Ist das nicht der "Bayrische Defiliermarsch"? Ach ja, richtig. Heute wird ja ein Bruder zum Priester geweiht. Aber es ist ja erst 7:45? (mich haben die Schwarzen Kutten heute ungewöhnlich früh aus dem Bett geholt - und natürlich ein ausgiebiges Glockengeläut um 6:00 "Morgenläuten" nennt man das) Die Gäste rücken offensichtlich schon scharenweise an. In Dirndl und Feuerwehruniformen und anderen Uniformen.
So richtig traue ich mich nicht in meinem Sexy-Radler-Kostüm unter die Festgäste zu mischen. Ich sattle mein treues Gefährt und verziehe mich still und leise. An der Auffahrt zum Kloster regelt gut ein Dutzend Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr von Alkofen die Anfahrt der Ehrengäste. Ich frage den einen der "Einwinker", ob er den "Primizianten" kenne. Nein, der sei zwar aus der Gegend, aber schon lange im Kloster. "Sind ja eh nimmer so viele, 18 glaub´ I, aber da mecht ich mi net festlegen"
Ob noch welche in der Mission seien. Ja, sicher, aber Genaues wisse er nicht.
Also stürze ich mich den Klosterberg hinunter, was bei dem gewaltigen Andrang nach oben nicht wirklich schön ist. In Vilshofen habe ich ins Stadttor geschaut und habe dann wieder umgedreht. Stadttor halt, kleine Hauptstraße, alles noch zu. Wie gesagt, wir im Kloster stehen früh auf .
Was durchaus Vorteile hat. Denn noch ist es eher frisch und ob es bei den berechneten 60 km bleiben wird, ist angesichts der Hochwasserlage eher ungewiss.
Die letzten Tage habe ich meine werten Leser wahrscheinlich eher langsam genervt mit den ewig gleichen Geschichten, von abgesoffenen Radwegen. Enten im Acker, langen Pfützen, die Euer Blogger, mal mit mal ohne Schuhe durchfahren hat, von Ausweichstrecken auf mehr oder weniger befahrenen Straßen auf Bergetappen und verschlammten Wegen. Von allem war heute etwas dabei. Abgesehen von wirklichen Bergetappen. Dass die Berge heute sehr weit an den Horizont gerückt sind, war schon einmal eine große Beruhigung aber sonst? Schaut selbst.
Radweg mit Schwänen.
Große Pfützen, mit Schuhen an befahrbar.
Weg weg. Aber Baustelle befahrbar.
Baustelle mit Armiereisen, sehr vorsichtig durchschieben.
Und gesperrter Weg.
Was ich bisher jedoch noch nicht gesehen habe, ist, dass die aufgeweichten Dämme auf Kilometern mit Sandsäcken verstärkt wurden, bwz. erhöht.
Hier um Niederalteich, Altenufer ist die Situation sehr unübersichtlich, eigentlich ist alles gesperrt. Bis ich an die Leitstelle der Feuerwehr komme. Hier ruhen sich gerade mehrere Dutzend Feuerwehrleute aus. Ich frage Tobias: "Wieviel Leue haben denn diese Säcke da hochgeschafft?" "Wir waren 70 Freiwillige Feuerwehren hier. Wie viel 100 Leute? Kann ich nicht sagen. Wieviel so ein Sack wiegt? Bis zu 30 kg, je nachdem wie die Sandabfüllmaschine eingestellt ist. Ich bin seit vorletztem Mittwoch hier (seit 10 Tagen!) Das ist hart, wenn man "vorbelastet" ist. Er hat Probleme mit den Unterarmen. Aber was er eigentlich meint, ist, dass er ständig daran denkt, dass es so schlimm wie 2013 kommen könnte, wo er auch schon im Einsatz war. "Gholfen haben uns die 5 Physiotherapeutinnen, die uns rund um die Uhr hier betreut haben, sonst wärst am Stock ganga!" Hier müssen wirklich Hunderte von Freiwilligen Sandsäcke geschleppt haben. "Und rum ist es vielleicht noch net!"
Und wenn es rum ist? Müssen die Säcke wieder runter vom Damm. Sack und Sand wieder getrennt werden? Das kann ja noch einmal Tage dauern.
Ich bin schwer beeindruckt von der Arbeit, die Tobias und die vielen HelferInnnen hier wortwörtlich Tag und Nacht geleistet haben.
Durch Deggendorf bin ich Dank der Hilfe eines netten Kollegen gut durch gekommen. An einer Ampel, will Komoot das eine und ich wieder einmal etwas anderes, da hält ein freundlicher Radfahrer: "Kann ich helfen!" Einfach super. "Fahrst bis zur Ampel da hinten, dann links auf die Promenad und dann rechts, und dann immer grodaus! Wanst willst kannst do auch a Eis essen!" Mach ich doch glatt.
Zwischen Deggendorf und Bogen ist es eigentlich entspannt, nicht schön aber auf einem Radweg neben der Straße entspannt.
Da fahre ich auf diese wunderbaren Kirchtürme zu.

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Jetzt mal ganz ehrlich!! Das sind doch keine "Zwiebeltürme"! Wer Augen hat zu sehen, der sehe:
"Das sind Turbane". Habe ich gleich mal gegoogelt. Die "Zwiebeltürme" sind in der Renaissance aufgekommen. Der erste Zwiebelturm ist 15hunderttuback in Augsburg an der Kirche Maria Stern gebaut worden. Schon früher wurden solche Türme in Venedig Mode. "Sarazenentürme" nannte man sie.
Sie werden immer mehr, die neuen "erzählenden Affen":
Aus der Donauzeitung:
"München - Überzeugte, traditionelle und
allwissende Bayern müssen jetzt stark sein. Denn Klaus Reichold stellt
mit seinem klugen und umfassenden Sach- und Lesebuch "Warum Bayern ein
orientalisches Land ist" so manches unerschütterliche Glaubensbekenntnis
infrage und rüttelt an den Grundfesten der (vermeintlichen)
Gewissheiten, dass vieles, was Bayern lebens- und liebenswert macht,
schon immer da war, beziehungsweise seinen Ursprung hierzulande haben
muss. Nichts da!
Das Bier wurde im Zweistromland erfunden,
das Christentum kam aus dem Osten, bei den Oberammergauer
Passionsspielen verwandelt sich die Alpenkette ins Judäische Bergland
und auf der Bühne wirbelt Wüstensand. Die für Bayern charakteristischen
Zwiebeltürme, auch die der Frauenkirche, sind vom Orient inspiriert, und
die 18 Meter hohe Bavaria wurde zu großen Teilen aus der Bronze
türkischer Kanonen gegossen. Die Reihe der unumstößlichen Tatsachen
lässt sich fortsetzen. Na, servus"
Ja, liebe Bayern, der Zwiebelturm ist unzweifelhaft eine Huldigung an eine damals hochgeschätzte und bewunderte Kultur, die man in Italien, in Russland und anderswo einfach cool fand. Warum sich der Zwiebelturm nicht weiter nach Norden verbreitet hat? Vielleicht weil protestantencool einfach nüchterner war.
Gegen 15:00 bin in Straubing. Komme über die "Agnes Bernauer Brücke" rein, und gleich am Ortseingang ist meine Pension.
Die Bernauerin ist in Straubing allgegenwärtig.
Ich begegne ihr bei meinem Rundgang durch die Altstadt mehrfach. Rechts ihr Liebhaber/Ehemann/Kindsvater, dahinter sein Vater, Albrecht II., der sie ertränken lässt. Die Truppe kommt gerade von einem großen Oldtimertreffen am Markt.
In Straubing ist wirklich was geboten.
Dieses Jahr wird wieder, wie alle 4 Jahre die "Deutsche Tragödie"- Agnes Bernauer von Friedrich Hebbel aufgeführt.
Wenn ich mich recht erinnere, - die haben wir wirklich in der Schule gelesen - und so richtig gepennt hat sie nicht.
Schon gemein, dass der "arme Albrecht" der Jüngere, König von Bayern/Straubing und Holland, seine Liebe nicht bekommen hat, die so schön war, "dass, wenn sie roten Wein getrunken hat, man es sehen konnte wie er in ihrer Kehle herunter rann". Ich habe das ein wenig auf Heute Deutsch übersetzt.
Im Schlosshof wird schon heftig für die heutig Probe aufgebaut. Vom Vorsitzenden des Festspielvereins werde ich persönlich zur Rede gestellt. Warum ich hier Fotos mache, das sei alles noch geheim, ich müsse meine Fotos sofort löschen, es soll ja eine Überraschung werden. Nachdem er sich etwas beruhigt und gemerkt hat, dass ich völlig harmlos bin, erzählt er mir, dass über 200 Laiendarsteller an diesem Theaterstück teilnehmen, dass es alle 4 Jahre aufgeführt wird. Durch Corona sei aber alles etwas durcheinander geraten. Ob es das Friedrich Hebbel Stück ist, habe ich nicht herausbekommen.
Und gelöscht habe ich die Fotos auch nicht, und die Agnes ist auf dem Marktplatz rumgelaufen, und im Internet gibt es Dutzende von Bildern von den Proben der diesjährigen Aufführung!
Ach, es gäbe noch so einiges zu erzählen, was sich heute zu Straubing zugetragen hat, und ich hätte auch noch ein interessantes Rätsel auf Lager, aber dann habe ich in der Pension "zum Falter" noch etwas erlebt, das ich unbedingt noch loswerden muss.
Da ich seit Tagen keine Pfütze auslasse, macht sich mein Kette immer hörbarer bemerkbar. Bei meiner Ankunft in der Pension "zum Falter" fällt mir auf, dass sie direkt neben einem großen Fahrradgeschäft liegt: "Dein perfektes Rad" heißt es. Ein junger Mann, der ein T-Shirt mit nämlicher Aufschrift trägt, spielt mit ein paar Jungs Fußball. Ich frage ihn, ob ich noch ein wenig Ketten Öl bekommen könne. "Sorry, wir haben schon zu, Montag wieder." Tja, dann eben nicht.
Nach meiner Agnes Bernauer Runde durch die Altstadt, setzte ich mich auf die Terrasse der Pension, und da sind die Jungs von "Dein perfektes Rad" immer noch da und genehmigen sich ein Feierabendbier. Es ist schließlich Samstag. Ich sehe, wie die beiden zu mir herüber schauen und sich unterhalten. "Weißt Du was, mein Kumpel holt Dir noch etwas Ketten Öl, sagt Sebastian. Und tatsächlich setzt sich Carsten in Bewegung und geht rüber zum Laden. Nach einigen Minuten kommt er mit Kettenöl zurück.
Da muss ich Carsten und Sebastian wohl einen ausgeben!!!
Ist das nicht nett!
Wenn das nicht die Reise der netten sympathischen Menschen ist!!
Jetzt ist es aber wirklich spät geworden. Ich wünsche Euch eine geruhsame Nacht!
Bleibt mir gewogen.
Bis Morgen
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