25. Tag: Von Linz nach Engelhartszell

die Karte 


Wie schön!!

Endlich mal wieder ein (fast) komplikationsloser Tag. Ein wirklich schöner Tag. Mit tollen Streckenabschnitten, und einigen wenigen, weniger tollen. Aber dieser Abschnitt zwischen Linz und Passau auf der Südseite ist einfach spektakulär.


Mit Dreifaltiger Hilfe, bin ich  auch relativ schnell aus Linz herausgekommen. Wobei die ersten Kilometer noch durch die Hochwassersituation erschwert war.


Ich ignoriere die Sperrung. Gestern hatten diese Gitter auch nur symbolischen Charakter. Hier nicht. Unter der Brücke war der Schlamm noch nicht weggeräumt und begann so langsam hart zu werden. Und hinter der Brücke standen noch die Hochwasserschutzwände. Also wieder umdrehen, wieder hoch auf die Brücke und nach anderen Wegen suchen.


Linz hat beschlossen noch keine Entwarnung zu geben. Die Wände sind nur teilweise weggeräumt.
Auf der Donaunordseite geht es Richtung Passau. Nicht so hässlich, wie bei der Einfahrt, aber auch nicht wirklich idyllisch.


Bei Ottensheim  kommt der Pesenbach in die Donau. Hier kann man sehen, dass es die kleinen Flüsse sind, die die Hochwassersituation erst richtig unberechenbar machen.


Hier, bei der Brücke über den Pesenbach, muss das Wasser gut 60 cm hoch auf dem Weg gestanden haben. Noch immer matscht es hier gewaltig. Der trockene Schlamm, wird nur schlecht von der Straße gehen!

Bei Aschach wechsle ich wieder auf die Südseite. Nun beginnt der absolut spektakuläre Abschnitt. 
Kleines Sträßchen durch ein immer enger werdendes Donautal.


Schön im Schatten. Perfekt.


Nur die Hänge sind mir nicht so geheuer.



Überall höchste Erdrutsch/Steinschlag Gefahrenstufe. Ich glaubt es wohl auch nicht, dass diese Einkaufsnetze einen richtigen Murenabgang aufhalten können. Ein bisschen bin ich noch angefasst.


Doch dann wird es einfach immer schöner. Und stiller. Nichts. Kein Flugzeug, keine Autos, keine Schiffe, wenn einem mal die Stille auffällt, dann nimmt sie dich vollständig ein. 

Dann fliegt auch der Fasan nicht davon.


Und die Schlange hat es auch nicht eilig, über den Weg zu kriechen.


Die war ganz schön groß.
Warum sich jedoch der suizidale Maulwurf, den ich aus Pietätsgründen nicht fotografiert habe, Richtung Wasser auf den Weg gemacht hat, wird ein ewiges Rätsel der Natur bleiben.

So weit weg von Allem kann man in Europa wohl selten sein.

Bei der "Schlögener Schlinge"- so etwas wie die "Saarschleife" nur größer, wird es dann wieder belebter, weil eine Straße von oben an die Donau kommt - und unten weiter geht. Der wunderbare Radweg wird zu einem Radweg an einer Straße - und das hässliche daran  ist, er geht rauf und runter. 1-2 km rauf, 1-2 km runter und das die letzten 14. Kilometer bis Engelhartszell.

Bei Wesenufer fällt mir zum zweiten Mal ein eigenartiges Gebäude auf. Da muss ich jetzt doch halten.


In der Halle  ist eine Ausgrabung einer römischen Festung.
Das ist die "Burgus Oberranna" von den Römern wahrscheinlich Stanacum genannt  - sie war Teil des Limes, 1.700 Jahre alt und UNESCO Weltkulturerbe. Super gemacht, mit Film und Erklärungen  die "besterhaltene Garnisonsanlage Oberösterreichs". 4 massive Türme und ein relativ kleiner Innenbereich. Das ist immer wieder verblüffend. Da radelt man in den absoluten Outbacks, und auf einmal ist man wieder mittendrin in der großen Geschichte. Auch Engelhartszell, bzw. Engelszell ist dafür ein Beispiel. Doch davon gleich mehr.

 Inzwischen ist es richtig heiß geworden, schwül!  Kaum bin ich in meiner heutigen Unterkunft, in der "romantischen Schmiede", geht ein gewaltiges Gewitter runter. Uff, da habe ich wieder einmal riesen Dusel gehabt.


Die "romantische Schmiede" ist wirklich sehr besonders. Ein Haus aus dem späten 16.Jahrhundert. Vollgestellt mit tollen Antiquitäten - die altersangemessen müffeln, ein toller Balkon - auf dem der Internetempfang "am Besten ist" und kein Fernseher. Wenn das nicht romantisch ist! Die Landlady ist supernett und gibt mir gleich den Tipp, ich solle doch das Trappistenbier von Engelszell probieren. 
Ich höre wohl nicht recht!
Ich, der ich 5 der 7 Trappistenbiere Belgiens höchstpersönlich verkostet habe, sollte nicht von den Trappisten von Engelszell gehört haben?

O Herr, Deine Welt ist voll der Wunder!

Nachdem das Gewitter runter ist, mache ich mich auf die Suche nach diesem vergessenen Ort der Trappistenbierbrauer.



Engelszell, Eine wunderschöne Rokokokirche (das sage ich jetzt, nachdem ich mir ein noch schöneres Klosterbier genehmigt habe), nein wirklich, interessant und einen noch schönerer Klostergarten.

Und hier viele hundert Kilometer vom Zentrum der Trappistenbiere, Belgien erfahre ich endlich von einer netten Dame im Klosterausschank, wie alles zusammenhängt. 

Also: Die Trappisten sind eigentlich Zisterzienser, einigen waren aber die  Regeln des Ordens zu lasch und deshalb spalteten sich von ihnen ab und nannten sich fürderhin "Zisterzienser der Strengeren Observan"z und hielten von da an "körperliche Arbeit" für genauso wichtig wie "monastische Askese". Wann hat das stattgefunden? Nein nicht im Mittelalter, das war 1892  U N D noch ein Fun-Fact: Jetzt durften auch Frauen Trappistinnen werden. - Vermutlich nicht im gleichen Kloster.
Und so kam es, dass ein Teil der "körperlichen Arbeit" darauf verwendet wurde, lecker Bier zu brauen.
Aber irgendwie ist es das  eine Enttäuschung. Da hat sich der Manne das so vorgestellt, dass seit Jahrhunderten, vornehmlich zur Fastenzeit, Trappistenbrüder mit ihren Kapuzen durch die Kreuzgänge wandelten, und ein Teil von ihnen nach dem 5 Uhr Gebet mal schnell nach dem Braukessel schauten, und in jahrhundertelanger Übung zu diesen leckeren Bieren fanden! Alles historischer Fake? Alles Quatsch? 1898!! 
Aber die Biere sind doch super lecker! Oder nicht?
Und die von Engelszell auch!
Und dann werde ich gleich der nächsten Illusion beraubt. Hat mir die Dame am Zapfhahn noch versichert, dass es sich um echtes Trappistenbier handelt, erfahre ich von der Dame im "Klosterladen", dass es noch einen Bruder im Kloster gibt . Hochbetagt, der hier seinen Lebensabend verbringen darf, mit Bierbrauen hat der nichts mehr am Hut. Die Biere werden anderswo gebraut. Hat da etwa schon wieder "Heineken" die Finger im Spiel? Ich schaue mir das Etikett jetzt genau an. "Produkt aus Österreich",- immerhin etwas.

Ich bedanke mich bei der sehr kompetenten Verkäuferin des Klosterladens. 
Ist es immer so von Vorteil, aufgeklärt durch die Welt zu wandern und aller Illusionen beraubt zu werden?
Engelszell hat noch etwas Schönes zu bieten.


Da müsst Ihr schon genau hinschauen, das ist wirklich fantastisch gemacht. Irgendwann ist die Hauptdecke der Kirche heruntergefallen. In den 70ern des 20Jh. hat man beschlossen, die 
Decke neu zu gestalten. Prof. Fritz Fröhlich aus Linz hat eine wirklich gelungene "moderne Rokoko"-Decke entworfen.  Hat mich sehr beeindruckt. 

Auf meinem Balkon wird es langsam kühler. Ich hole mir jetzt die 2. Flasche "Trappistenbier" und werde noch ein bisschen darüber nachdenken, was wichtiger ist "Fakten" oder schöne Geschichten.
Gehabt´s Euch Wohl!
Schaut Morgen wieder vorbei!!








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