23. Tag: Von Melk nach Wallsee
die Karte, die so heute nicht stimmt
Werdet Ihr gleich verstehen.
War gestern schon ein komplett verrückter Tag, mit dem Murenabgang und der Bergetappe.
Auf Youtube gibt es Videos, die den Abgang zeigen.
So war der heutige Tag nicht minder verrückt. Eigentlich noch unglaublicher!!!
Aber fangen wir von vorne an.
Das ist der Beweis, dass ich tatsächlich in Melk war.
Der Morgen ist grau/grieselig/kühl. Es nieselt aber nicht schlimm.
Vor Melk haben sie die Wehre geöffnet. Die Wassermassen erzeugen Wellen wie im Meer, die auch über den Radweg schwappen.
Das sah teilweise dramatisch aus, war aber eigentlich harmlos. Die Diskussion, die ich mit der jungen Familie gestern Abend beim Essen geführt habe: "Nord- oder Südseite" habe ich für mich schnell entschieden. Klar, bleibe ich auf der Südseite, da Wallsee auch auf dieser Seite liegt, und wer weiß, ob man heute so leicht die Seiten wechseln kann. Das konnte ich jedoch meinem komoot nicht begreiflich machen. Stur wollte mein Navi, dass ich zurück fahre und die Brücke nehme und auf der Nordseite fahre. Also wird das Gerät ausgeschaltet und nach Schildern und Karte gefahren. Alle wunderbar.
Unter der Brücke, an der ich meinen Ärger mit Komoot endgültig beende. Treffe ich Daniela und Tassilo wieder. Sie haben sich auch für die Südseite entschieden. Ihre beiden Jungs sind übrigens 1 1/2 Jahre und 10 Monate alt. Das ist wohl der ultimative Abstand. Aber sie sind tiefenentspannt. Müssen aber schnell weiter, so lange die Jungs schlafen. Macht es gut Ihr beiden. Toi, Toi, Toi!
Kurz vor Pöchlarn bekomme ich noch eine Kurzfassung der Nibelungen präsentiert, auf der Mauer eines Tierfuttermittelherstellers. Von Tulln bis Passau findet anscheinend jede 2.Gemeinde, dass sie im Nibelungnlied vorkommt. Soll mir recht sein. Das war mein heutiges kulturelles Highlight. Was mich allerdings mehr beschäftigt hat, war die Frage, warum es beim Tierfuttermittelhersteller so lecker nach Kakao gerochen hat. Ob sie hier auch noch einen Vertrag mit Kaba haben?
Bei Pöchlarn ist die "Amadeus" vor Anker gegangen, die ich die letzten beiden Tage immer mal wieder gesehen habe. Die Passagiere ziehen mit ihren Rollkoffern Richtung Innenstadt. Ob sie heute hier Schluss machen müssen? Wegen des Hochwassers? Vermutlich.
Vor Ybbs kommt die zweite Sperrung des Radweges, gut ausgeschildert, aber über einen lausigen Feldweg. Die Äcker stehen unter Wasser. Auf dem Feldweg reiht sich eine Pfütze an die andere.
Vor Ybbs ist der Radweg dann komplett unter Wasser.
Die Stadt macht die Schoten dicht. Überall ist Feuerwehr und so etwas ähnliches wie THW zugangen.
Auch das Sperrwerk von Ybbs hat seine Tore geöffnet und wieder donnern die Wassermassen herunter und Wellen klatschen auf den Radweg.
Aber noch ist alles gut. Doch die Anspannung steigt. Soll ich nicht doch die Seite wechseln? Bei der 11-Uhr-Banane unterhalte ich mich vor dem Stauwehr mit zwei entgegenkommenden Radfahrern. Ja, sie sind gerade von der anderen Seite herübergekommen. Der Radweg ist bei Mauthausen gesperrt. Sie mussten "oben" rüber. Ok, an die Bergtour erinnere ich mich noch sehr gut von der ersten Donautour, als ich das KZ oben besucht habe. Neeeee, das muss ich heute nicht haben.
Also weiter auf der "Südseite".
Jetzt das Tal wieder richtig eng. Und dicht bewaldet und sehr einsam.
Mit einem Auge beobachte ich argwöhnisch den Hang links von mir. Der Hang ist wirklich sehr steil. Aber vielleicht ist der dichte Wald ja ein gutes Zeichen.
Auf der Karte habe ich schon gesehen, dass nun das Tal richtig eng wird.
An den Häusern da vorne, steht ein Auto auf dem Weg. Eine junge Frau schaut sich mit ihrem kleinen Jungen den Fluss an. Links daneben sitzen einige Herren unter einem Partyzelt und trinken ihr Mittagsbierchen. "Wie sieht es da vorne aus?" "Da hinten ist Schluss! Hier kommst Du nicht durch." Zurück bis Ypps (10km)?" bringt auch nichts, die Brücke ist gesperrt und auf dem Nordufer ist der Radweg vor Grein auch unter Wasser." "Was dann? Den Berg hoch?" Ein gut gelaunter Zecher meint, "mitnam E-Bike gengat des scho!" Aber es sind 7 km hoch, und dann bergauf, bergab bis Amstetten, dann über Oed wieder runter, - "des ziat sich" Jetzt wird mir langsam mulmig. Sollte ich hier, in dieser Sackgasse die Tour beenden?
"Wast was! Fahr hinter mir her, ich wohn da hinten! Wir haben ein großes Auto, da schmeißma dein Radl rein und wir fahren dich übern Berg." Ich bin von den Socken! Darf das wirklich wahr sein?
Das Haus von meiner Retterin ist wirklich "am Ende der Welt", umgeben von Wald! Tatsache, da steht ein ziemlich betagter Fiat, mit tschechischem Nummernschild. Wie die Menschen hier verwandtschaftlich zusammen gehören habe ich nicht rausbekommen. Die junge Frau jedenfalls das Sagen. Ein netter Mann, der kein Deutsch und nur sehr schlecht Englisch spricht, baut die hintere Bank aus. Eine ältere Damen, die gut Deutsch und Tschechisch spricht kommt dazu.
Wie kann ich Euch das bezahlen? "Lass mal!, man muss sich doch gegenseitig helfen, - und ich findet toll was Du machst!"
Ich bin völlig baff!
Wir fahren los. Den Berg hoch, den Berg hoch, den Berg hoch und oben rauf und runter, rauf und runter bis fast nach Amstetten. "Unten an der Donau sind es 22 km", sagt die Frau, "hier herumsind es um die 40 "
Ich werde ganz immer beschämter, so viel Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, das gibt es doch nicht!
Gibt es doch!
In Wallsee angekommen, wollen sie zunächst kein Geld annehmen, "Man muss sich doch helfen!"
Nach einigem Hin und Her, einigen wir uns auf die Erstattung der Unkosten.
Das ist mein tschechischer Retter! So nette Leute! Sie haben mich wirklich an die 40 km "über den Berg gefahren. (Und sie haben es wirklich nicht Dicke. Das Auto könnte bald einen neuen Auspuff vertragen, es roch schon etwas bedrohlich im Inneren!)
Wenn ich in letzter Zeit drauf und dran war, den Glauben an die Menschheit zu verlieren, heute bin ich vom Gegenteil überzeugt worden. "Man muss sich doch helfen!"
Ich habe einiges abzuarbeiten!!! Versprochen!!
Ich bin, während ich das schreibe noch immer "zu Tränen" gerührt. Im Ernst. Wann passiert einem schon mal so was!
In Wallsee angekommen, muss ich etwas warten, bis meine Pension aufmacht. Im einzigen Café am Ort trudeln so langsam aus allen Richtungen Radler ein. Die von Linz kommen, berichten Unterschiedliches. Nordufer über Mauthausen, nicht lustig. Südufer, muss man etwas von der Donau weg, dann könne man durchkommen. Meine Karte und komoot finden diesen Weg nicht so recht. Ich versuche die verschiedensten Varianten.
Mal sehen wie es Morgen läuft. Jetzt am Abend kommt sogar noch die Sonne raus.
Wallsee ist sehr überschaubar,
Das Rathaus,
Das Schloss, nicht öffentlich zugänglich. Und
"Nah und frisch" eine Art "kommunaler Tante-Emma-Laden, geöffnet von 15:00-18:00, mit dazugehöriger, funktionierender Tankstelle. Dass es so was noch gibt.
Ein Tag wie heute, wirbelt einen ganz schön um. Jetzt gehe ich erst einmal runter in die Schankstube und trinke einen Marillenschnaps auf meine tschechischen Freunde!!!!
Drückt mir die Daumen, dass mein Plan, den ich aushecken werde ,aufgehen wird!
Bis Morgen.














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