22. Tag: Von Traismauer nach Melk

 die Karte


Da "Bed&Bike&Breakfast" war wirklich rundum angenehm. Kann man nur empfehlen. Beim Frühstück schaue ich die Wetterprognosen an. Regenwahrscheinlichkeit 100%. Gewitter ab 11:00 Uhr,- dann mal etwas schneller gefrühstückt! Komoot stuft die heutige Tour als schwer ein. So ein Blödsinn! Etwas mehr als 50 km und hauptsächlich ufernah, was soll daran schwer sein.  Da habe ich die prophetischen Gaben einer Fahrrad-App aber gründlich unterschätzt! Das sollte heute tatsächlich eine sehr spannende und recht anstrengende Tour werden. Aber dafür haben sich die Wetter-Apps zum Glück als falsch erwiesen. Ich bin trocken in Melk angekommen.

Doch es war auch eine wunderbare Reise durch einen der schönsten Abschnitte der Donau, - die Wachau.



Nach dem Tullner Feld rücken die Berge näher an die Donau heran. Weinberge und Obstgärten prägen das Bild.




An nahezu allen Weißweinsorten bin ich heute vorbei gekommen.

Das ist so ziemlich der einzige Nachteil des Radreisens, dass man so manches Leckere am Wegesrand nicht mitnehmen kann.





Im Gegensatz zur ersten Donaureise sind die Radwege inzwischen im Topzustand. Vielfach frisch geteert. 


Die interessanteren Ort lagen heute mehrheitlich auf der anderen Seite des Flusses. Macht nichts, Krems habe ich schon auf der ersten Fahrt kennengelernt.



Und das Kloster Göttwein lag schon immer zu weit oben.



Dunkle Wolken ziehen in der Ferne vorbei. So weit so gut. Doch je enger die Donau zwischen die Berge geklemmt wird. desto höher steigt der Pegel. 


Und die seiner Nebenflüsse. Die erste Überflutung des Radweges war kein Problem. 
Die zweite auch nicht wirklich.


Hier in den Weinbergen gibt es immer etwas weiter oben einen Wirtschaftsweg, der parallel zum Fluss verläuft. Man muss nur ein "wenig" in den Hang. Bei der 3. Sperrung des Weges beschließe ich, erst einmal die Mittagspause einzulegen, und abzuwarten, wer da so entlang kommt. Tatsächlich fahren zwei Radler bald darauf auf dem gesperrten Weg weiter - und nicht lange, so kommen auch 2 Radler aus dem gesperrten Abschnitt. Also eine reine Vorsichtsmaßnahme.

Auf die andere Seite zu wechseln war heute nur an den großen Brücken möglich. Die Fähren haben den Betrieb


"eingestellt". Dies wird im Verlauf des heutigen Tages noch eine zentrale Rolle spielen.

Bis runter nach Mautern gibt es keinen Fährbetrieb. Dann die beeindruckende Ruine Aggstein. "In 3,5 km sind sie im Mittelalter" wirbt ein großes Banner für einen Mittelaltermarkt auf der Burg. "Imlebeit" würde ich 3,5 km freiwillig hinauffahren, um verkleideten Leuten beim Spielen zu zuschauen. - Wie man sich täuschen kann. Kaum bin ich am Abzweiger zur Burgruine vorbei, kommt mir eine Familie mit 2 Kinderanhängern entgegen. "Da vorne geht´s nicht weiter", da ist gerade eben eine Mure runter. Die Autostraße und der Radweg sind verschüttet. Das sieht übel aus. Das kriegen die so schnell nicht wieder frei. Das Bundesheer ist unterwegs." - Puh! Was jetzt. Die Familie will bis Spitz zurück, um die Fähre zu nehmen. "Fährt nicht", sage ich und die bei St. Lorenz auch nicht." Dann kommt ein Mann aus dem Ort dazu und meint, "über den Berg" kann man die Mure schon umgehen. "Ich habe gerade mit meiner Frau telefoniert, die schließen die Schranke für die Umgehung bei Hochwasser auf", der Schulbus hat den Schlüssel beim Rathaus geholt." "Heißt das, wir müssen nicht ganz über den Berg?"
"Na, nur so anderthalb bis 2 km hoch, dann rechts durch den Wald". "Puh" zum Zweiten. Die Familie meint, mit Kinderanhänger kommen sie da nicht hoch. Ein Paar aus Bayern, mit E-Bikes beschließen, den Versuch zu wagen. Ich auch. Zuerst geht es einigermaßen manierlich hoch, doch dann kommt das Schild mit 20% - da muss ich schieben. Tanja und Thomas auch. 





Sie sind heute schon 70 km gefahren, "immer nur mit der niedersten Unterstützung  (ich habe noch keinen E-Biker getroffen, der etwas anderes behauptet hätte) aber das geben die Akkus nimmer her." Gemeinsam wuchten wir unsere Geräte den Berg hinauf. Es sind wohl eher 2 km denn anderthalb. Aber wir finden tatsächlich einen Waldweg, mit einer Schranke, die geöffnet ist.




Das ist die Hochwasserumgehungsstrecke für den "Schulbus". Wir haben ihn gesehen, es ist ein kleiner 12 Sitzer! Trotzdem. 
Ich weiß nicht was schlussendlich schlimmer war, 20 % hochschieben, oder 20% auf einem miesen Waldweg runterfahren.
Aber wir haben es geschafft. Die Tanja, der Thomas und ich. Wir waren mächtig stolz auf uns. Gute Weiterfahrt Euch Beiden!


Da waren wir schon aus dem Wald raus, von der Donau weit und breit nichts zu sehen. 

Wenn Ihr glaubt, das wäre das Ende des heutigen Hindernisparcours gewesen, dann irrt Ihr Euch. Kurz vor Melk, noch einmal die Sperrung des Uferweges. Das Foto schenke ich mir. Ich frage extra noch 2 Spaziergänger: "Na, da geht nix!" 
Ok. dann halt hoch Richtung Brücke. Hatte ich heute schon einmal 20% getippt? Noch einmal Schieben.
Und zwar ordentlich. Dann oben, auf der Höhe der großen Donaubrücke von Melk, geht es weiter hoch, ich komme heute über das Kloster herunter in die Stadt. 

Trotz aller dunkler Wolken. Ich kann heute noch einen kurzen Stadt (Städtchen)bummel machen, die Banane für Morgen kaufen und komme noch immer trockenen Fußes (und des Restes) im Hotel an.

Und wen treffe ich beim Abendessen? Meine junge Familie von der Mure. Sie sind tatsächlich mit 2 wirklich kleinen Kindern unterwegs. In etwa in dem gleichen Alter, wie Till und Valle, als wir nach "Palumbien" umgezogen sind. Ganz schön tough!!

Sie sind tatsächlich zurück gefahren in Richtung Spitz. Die Fähre war außer Betrieb. ABER! Ein weiteres Rätsel des heutigen Tages fand im Speisesaal des Hotels "Wachauer Hof" seine Erklärung.



An 2-3 Stellen habe ich diese Türme gesehen, mit einem Seil über den Fluss und einer Gondel am Turm. Um nach oben zu kommen gibt es nur die Leiter. Die Gondel kann also nicht dem Transport dienen. Wozu dient die Anlage dann? Es ist eine "Rollfähre"!!!
Die junge Familie ist bei Spitz  mit der Rollfähre über den Fluss gekommen. Wahrscheinlich sind die Betreiber über den "Murenabgang" ( ihr merkt, mein Fachvokabular wird auf dieser Reise enorm vergrößert) informiert worden, und dann kam ein Boot, das an dem  Seil oben, an der Gondel, befestigt war rüber um sie überzusetzen. Ich bin schon mit ähnlichen Fähren gefahren, entweder an einem Seil oder einer Kette im Wasser, aber nur dort, wo es sonst Schiffsverkehr gab. Diese Art von Fähren brauchen nicht einmal einen Motor, sie müssen sich nur entsprechend in die Strömung stellen um "rübergetrieben" zu werden. Wenn das nicht genial ist!

Die jungen Leute meinten, die Rollfähren könnten bis zu 7m über Normal weiter betrieben werden. Ob ich da einsteigen würde, ist eine andere Frage.

Und bei Melk sind sie dann über die große Brücke gekommen. Was sie davor bewahrt hat, die 20% vor Melk zu meistern.

Während ich diese Zeilen schreibe, geht ein gewaltiges Gewitter runter. Schön im Trockenen zu sein. Aber weniger schön, der Gedanke, wie sich die Pegelstände weiter entwickeln. Schließlich ist bei Euch "da Oben" auch einiges runter gekommen, was noch gar nicht hier angekommen ist. Heute Morgen habe ich gelesen, dass in Passau die  Höchststände erst noch erwartet werden.


Bei den Hochwasser 2002 und 2013 wäre Euer Berichterstatter über zwei Körperlängen unter 
Wasser gewesen. Ich bin etwa so groß wie der untere Rand der Tafel. Und an dieser Stelle ist die Donau noch einmal gut 2 m unter mir. Wenn man sich vorstellt, was das für Wassermassen gewesen sein müssen.

Hoffen wir mal, dass es Morgen immer  einen Weg in den Hanglagen gibt. 
Ich wünsche Euch eine geruhsame Nacht.

Und lasse euch als Betthupferl an meiner heutigen "Entdeckung" teilhaben!

Wusstet Ihr, dass unser wichtigstes Reiseutensil, das "Melkfett" gar nicht aus Melk ist? 
Sachen gibt´s!

Und ein letzter Bericht von Friederike von dieser Reise und Ihrer Rückkehr nach Engen:

Und ich sitze hier, in meinem grünen Dschungel, alles wuchert, alles blüht, es riecht sogar schon en bisschen wie Urwald, modrig. Da hatten unsere Haus- und Gartensitter, nicht viel Arbeit mit Gießen. Aber trotzdem vielen Dank, vor allem an Bärbel!

Meine Rückreise von Wien nach Engen:

Ich wurde vom fürsorglichen Reiseleiter ja noch zum Busbahnhof gebracht, ich hatte viel Zeit und genügend Proviant für den ganzen Tag, sogar eine Banane. Die letzte in diesem Jahr, ich kann sie nicht mehr sehen!


Der München-Bus kam- etwas verspätet, egal- aber OHNE RADSTÄNDER!!!- und die beiden Busfahrer versuchten mich einfach zu ignorieren. So „Ich seh kein Rad, also gibt’s auch keines, also hab ich keine Scherereien“. Aber ich hab mit meinem Fahrschein gewedelt, die beiden sagten „Nein, Fahrrad geht nicht, kein Platz“ und sagte „Ich habe gebucht und ich fahre mit und das Fahrrad auch“. Sie versuchten es noch mit „Nächster Bus hat Fahrradplatz“, und nochmal „Nein, geht nicht“, und ich weiter „Ich fahre hier mit!- und „Nein, kein Platz“ und „Doch“ ….aber da hatte ich mir schon ein Plätzchen ausgesucht, unten im Kofferraum. Inzwischen haben so ein paar Tussis gemeckert, „erstmal müssen die Koffer rein“, „aber mein Koffer soll nicht zu dem dreckigen Fahrrad“, aber die hab‘ ich einfach ignoriert. Die Busfahrer haben aufgegeben und sich verdrückt auf die andere Seite, die meisten Koffertussis auch und ich hab‘ versucht mein Fahrrad unten reinzulegen, eine nette gutgelaunte junge Frau hat mir geholfen und eine andere nette Frau hat nochmal ihren Riesenkoffer rausgewuchtet und zu dritt haben wir das Tetris-Spiel geschafft. Uff! Das war knapp, ich wäre heute sicher gar nicht aus Wien weggekommen, an einem Sonntag, Ende der Pfingstferien, es war überall so viel Trubel und Verkehr. Vielen Dank an die beiden, für die Hilfe und vor allem auch für die Freundlichkeit.




Schließlich saß ich drin, schweißgebadet aber doch zufrieden, die Fahrt nach München war gesichert. Und wer sitzt hinter mir, die Koffertussi. Hat keinen Ton mehr von sich gegeben aber ihr Mann hat versucht mit mir ein bisschen Smalltalk zu machen, so „da müssen Sie sich beschweren bei Flixbus“ usw. Das mach ich auch, vor allem auch weil das Vorderlicht bei der Aktion abgebrochen ist. Wer möchte den Gutschein, den ich da vielleicht bekomme?

Auch in München beim Aussteigen haben sich die beiden Busfahrer nicht mehr blicken lassen!

In München Pause beim Agustiner, 



und mit einem wunderbaren Bus MIT Fahrradständer,



 einem netten freundlichen Busfahrer überpünktlich nach Konstanz. Dankeschön lieber Busfahrer!

Nun noch ein Fazit:

Also es war wieder eine tolle Reise, so unterschiedlich von den Landschaften und Ländern. Ich konnte mich im Thermalbad in Bükfürdö schon gar nicht mehr so richtig erinnern, dass ich erst vor wenigen Tagen am Rand der schneebedeckten Dolomiten herumgeradelt bin. Oder mir am versumpften Neusiedler See (Steppensee!) die Wassermacht der wilden Drau vorstellen. Oder beim gemütlich entlang der Donau fahren, daran zu denken, dass es ganz in der Nähe auch sehr steile Bergstrecken gibt, die wir hochgeastet sind. Bis auf ein paar Regentage war das Wetter ideal zum Fahrradfahren.

Dass es kein Badeurlaub wird war klar, aber dafür habe ich ganz schön oft baden können:

-in Villach im „Warmbad“, bisschen schwimmen, bisschen sprudeln

-In Seidendorf im Schwimmteich- herrlich mit den Fröschen und der Drau direkt daneben,

-im Klopheiner See- wunderbar klarer Bergsee mit gigantischem Bergpanorama

-in Murska Sobota in einem Baggersee mit Kiesstrand, schön angelegt, im EU Projekt „Amazonas von Europa“

-in Szentgotthard in der Therme und Sauna- seeeehr angenehm

-in Bükfürö im Thermalbad- eine gigantische Anlage mit vielen heilsamen und sprudelnden Wassern

-in Podersdorf am Neusieder Steppensee, ein Schlammstapfen war das

-und das Highlight war der FKK Strand am Donaukanal, kurz vor dem Prater! Fantastisch!

Wien war natürlich in jeder Hinsicht ein Highlight.

Gefahren bin ich knapp 900 km- das macht wieder einen 60 km/Tag Schnitt, so wie jedes Jahr- und überraschend viele Höhenmeter.

Spaß gemacht haben mir die vielen Grenzübertritte, die offenen Grenzen und die verschiedenen Sprachen: slowenisch, kroatisch, immerhin kann man da nach ein paar Tagen grüßen, slowakisch ist schon wieder weiter weg davon und dann ungarisch, also sorry, da geht bei mir einfach gar nichts. Aber die älteren Leute sprechen manchmal deutsch, die jungen Leute fast alle gutes Englisch.

Also rundum interessant, abwechslungsreich und sehr sehr schön. Ich werde auf jeden Fall bei diesem Reiseveranstalter wieder buchen.

Danke Manne!

 




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