Das Paradies zu verlassen ist soooo schwer,
aber ich hab mich mit einem wunderbaren Morgenbad im Schwimmteich und dem Frühstück auf unserer Terrasse trösten lassen. Das Frühstück konnten wir am Abend bestellen, war kompliziert, weil jeder einzelne Posten einzeln eingetragen werden musste: Kaffe lungo oder cappucino oder mit welcher Milch, Käse 50 oder 100 g, Butter wieviel, Tomate, Apfel? Brötchen welche Sorte undsoweiter.
Leider gibt es hier keinen Radweg an der Drau, das Tal ist zu eng, also gibt`s nur zwei Varianten: links oder rechts vom Fluß, ganz steil und kurz oder nicht so steil und lange. Und weil wir in unserer Reisegruppe ja auch passionierte Schwimmer*innen haben, wollten wir auf jeden Fall über die Seenvariente fahren, also die "sanftere" Variante und das war gut machbar.
Oben kam schon nach wenigen Kilometern der Klopheiner See, und ich bin grad nochmal ins Wasser gehüpft. Ca 17 Grad, herrlich klares Wasser, außer mir nur ein paar Angler am Ufer in Tarnanzügen.
Manne, der mich geduldig "zu Wasser gelassen hat", wird allmählich unruhig, ich muss auch dieses Paradies wieder verlassen, denn bald ist 11 Uhr, aber kein Supermarkt in Sicht, nur Hotels und Bungalows und Restaurants, ein absolutes Feriengebiet. Doch es klappt gerade noch, um 11.01 Uhr.
DIE ELFUHRBANANE:
und mit Schwung geht's dann wieder nach unten Richtung Drau.
Bald ist es vorbei mit den hohen Bergen
dafür aber Hollunderblütenduft und blühende Robinien,
sanftere Hügel, Kirchlein und Klöster
Und jetzt ist der Manne dran- der muss aber erst noch Sportschau gucken! Ja, kommt auch in Slowenien.
Und jetzt ich:
Spannender Abstiegskampf in der Bundesliga!! Aber unser heutiger Tag war nicht minder spannend. Zwar ist die höchste Eisenbahnbrücke Europas immer noch gesperrt (bis Ende 2024) Aber dafür kommen wir über die Luxushängebrücke überhaupt.
Santa Lucia
Und nach der Brücke geht es nur noch abwärts Richtung Drau. Auf halber Höhe dann das vielgelobte, hochdekorierte Kunstmuseum des Privatsammlers Herbert W. Liaunig, seines Zeichens Heuschrecke, oder wie die Dame an der Kasse das so schön ausgedrückt hat, "Sanierer", das heißt, marode Unternehmen aufkaufen, zerschlagen, Aufffanggesellschaften gründen, Beschäftigte massenhaft entlassen, "gesundschrumpfen" - und dafür gnadenlos abkassieren. Sein Schloss irgendwo in der Gegend war für seine Privatsammlung zu klein geworden. So hat er diese "Imponierarchitektur" ins Gelände geklotzt.
Man verstehe mich nicht falsch, ich kann all die "Versailles" des 20. Jahrhunderts durchaus wertschätzen, als Architektur vom Feinsten, aber sie haben halt durch die Bank das Geschmäckle, dass sich hier stinkereiche Kapitalisten selbst feiern und ein Denkmal setzen. Und in der Architektur soll dies gebührend zu Ausdruck gebracht werden.
Das Architekturbüro querkraft hat wirklich großartige Räume geschaffen, mit genialen Ausblicken in die Natur - und Beton vom allerfeinsten. ABER, die Sammlung wiederum das Beste vom Besten was der Minimalismus zu bieten hatte, strahlt für mich eine große gedankliche Leere und Kälte aus. Leere nicht im meditativ buddhistischen Sinne, sondere Leere im Sinne von Leere. Und dann doch wieder großartige Werke, der großen österreichischen Kunst, wie Arnulf Rainer und der Lassnig, - die mit den Quadratlnmalern so garnichts gemein haben.

Und gesammelt hat der Multimilliardär wild durchs Gelände, eine Abteilung wirklich ganz ausgezeichneter afrikanischer Glasperlenkunst.
Ein Raum "Geschichte der Miniaturmalerei" - ebenfalls ganz exquisit. Eine tolle Sammlung Plakatkunst und Siebdrucke. Dann Glaskunst, vom "Römer" zum "Bierkrug" - ich bin jetzt böse, auch wieder vom Feinsten. Ein Skulpturengarten, Säulen, Stelen, Würfel, quadratisch, eckig gut. Ich bin mit der ganzen Sammlung nicht warm geworden. Am meisten irritiert hat mich eine Skulptur im Eingangsbereich, names "Sarkophag". Ein Thron, mit einem großen Fuß, auf einem Sarg, hinter dem Thron ein paar Ähren, Anklänge an das Rutenbündel und auf dem Sarg, Hakenkreuze. Soll das jetzt vor dem Faschismus warnen oder ist das eine Gedenkstätte für die Gefallenen Kameraden der Bewegung? Man weiß es einfach nicht. Dass Hader und Konsorten das Kunstprojekt unseres Mäzens nicht befürworteten mag für ihn sprechen. Aber Kunst in die jeder stinkende Fische eingepackt werden kann, macht mich wütend.
Doch ein Ort der Auseinandersetzung mit Kunst ist diese Liaunig-Gedenkstätte allemal.
Dann unten in Lavagmund ist mir mein Fehler vom 2. Tag aufgefallen. Als ich da oben bei Spittal Lavant gelesen habe, dachte ich, dass dort die Lavant in die Drau mündet und habe mich an die Christine Lavant erinnert. Dabei mündet die Lavant erst hier in Lavamünd in die Drau.
Und hier ist weiter oben im Tal ihr Geburtsort.
Inzwischen sind wir kanpp hundert Meter in Slowenien. Ta Fabrika, ist ein kleines Hotel und ein beliebtes Speiselokal direkt hinter der Grenze.
Neben dem Hotel ist eine Gedenktafel, leider nur einsprachig in slowenisch. Inzwischen habe ich mich kundig gemacht. Einmal mehr mussten wir feststellen, dass wir während unseres Aufenthaltes in Kolumbien, nur unzureichend informiert waren, was sich in den Jahren zwischen 1988 und 1994 in Europa abgespielt hat. Vom "10 Tage Krieg" habe ich heute zum ersten Mal erfahren. Hier an der Grenze zu zu Österreich, aber auch zu Italien haben 1991 slowenische Veteranen die Grenzkontrollen übernommen, obwohl die Lösung vom Zentralstaat längst nicht klar war und es kam wohl hier an der Drau auch zu Scharmützeln.
Auf jeden Fall bin ich sehr gespannt, was die nächsten Tage bringen.
Das Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Ch.H. aus H. und Herrn S. aus E. geht unvermindert weiter.
Beide konnten orthographisch richtig die Lösung "und der Mond scheint bloach und kaasi"*
einreichen. Wenn das so weitergeht, muss Friederike jede Menge Mozartkugeln von Wien nach Engen schaffen (sie wird von Wien aus mit dem Bus zurückfahren).
Aber ich gebe nicht auf. Vielleicht beißen sich ja unsere Leser an dieser Frage die Zäzne aus:
"Was haben Äsop, Johann Strauß der Jüngere und dieser Blog gemeinsam?"
Take that!
Und gehabt´s Euch wohl. Bis Morgen!!
* Es gibt wenig Reime, die gelungener sind, "....Kammerfensterl bei der Stasi
und der Mond scheint bloach und Kasi"
Wie Herr S. aus E. so richtig bemerkte, geht die Geschichte recht unappettitlich aus.
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