3.Tag: Von Lienz nach Spittal

die Kart





Die Wolken hängen tief. Sehr tief. Es ist frisch, sehr frisch. Noch regnet es nicht als wir um kurz nach 9:00 aus Lienz rausfahren. Doch Regen ist für heute angesagt. Und wir haben die längste Strecke der ganzen Reise vor uns, deutlich über 70 km. Es sollen 80 werden.
Doch von Anfang an:
Wir sind noch nicht lange unterwegs, da kommt eine Brücke über die Drau und ein Schild nach "Lavant".

Zufälle gibt es. Vor wenigen Wochen habe ich zum ersten Mal von Christine Lavant, der großen österreichischen Lyrikerin gehört, die ganz in der Nähe, 1915,  geboren wurde und den Künstlernamen nach dem Tal und dem Fluss Lavant gewählt hat. Ihre Lebensgeschichte allein ist unglaublich - ebenso wie ihre Gedichte. Sie war schon als Kind sehr krank, bekam unter anderem TB und wurde bei einer Röntgenuntersuchung schwer verbrannt und entstellt. In der Schule wurde sie gemobbt. Die schlimmste Mobbinggeschichte, die ich je gehört habe: Der Lehrer, ein ständig prügelnder Sadist, sagte zu ihr " Du bist so schiach, des lohngt sich net, dass ich dich verdresch!"  

Ansonsten verläuft der Tag erfreulich ereignisarm, aber zunehmend feucht. Nicht direkt Regen; es nieselt so vor sich hin, als wäre man mitten in den Wolken. Was wir eigentlich auch sind. Vor allem seit wir in Kärnten sind. 
Nach dem wunderbaren, gepflegten Draurad in Osttirol, geht es in Kärnten, direkt nach der "Grenze" anders zur Sache.


Nichts mehr mit Asphalt, und auch nicht mehr getrennte Radwege - und leider auch auch nicht mehr schön flach der Drau entlang. Gut, das Tal ist eng und der Radfahrer muss da eben in die Hänge. Aber "scho wia", wie der Kärntner sagt. Die Sträßchen sind schmal und kaum befahren, aber mit der Zeit geht so eine Achterbahn in die Beine. Dieser Abschnitt des Drautals ist landschaftlich wunderschön, soweit wir das im Wolkendunst erkennen konnten. Die Dörfer klein und beschaulich.


Dann, nach Lind, an der Mölltalbrücke, wird das Tal weiter, von links kommt das Mölltal mit dem Drautal zusammen. Hier sind wir auf unserer Reise nach Venedig schon einmal geradelt, als wir von Mallnitz kommend hier durchgekommen sind.

Eigentlich ein sehr schöner Radtag oder was meinst Du, Friederike!

(frie) ja, die Landschaft war fantastisch, die Radwege okay...naja wir waren auch ein bissl verwöhnt von der ersten Etappe. 

Hier der Blick zurück ins Drautal, da kamen wir her.


Hier sind wir schon richtig in Kärnten


Das Drautal kurz vor Spittal:


und so sind wir die Waldwege hinauf geächzt:


und nun die Story zum Schluß:

wir hatten in Spittal eine Reservierung in der Pension Central- das könnt aufgrund des Namens im Zentrum oder am Bahnhof sein, so dachte ich. Aber Mannes Navi führt uns am Zentrum vorbei, am Bahnhof vorbei, in ein abgeratzes Industriegebiet bei den Schienen, immer weiter stadtauswärts. Inzwischen hab ich mein Navi auch an, und die ruft immer dass ich abbiegen oder umdrehen soll. Da treffen wir unter einer malerischen Kastanie drei Schluckis und da sonst niemand ist auf dieser Straße ist, fragen wir die. Sie beraten sich, "kenn ich nicht", "ist das nicht draußen in Eding?-oder sp ähnlich", sie weisen uns den Weg in die Stadt zurück, zur Sicherheit. Naja schießlich radeln wir die Ausfallstrasse Richtung Villach hinaus aus der Stadt, unsere Navis sind sich jetzt einig. Und sehen kurz vor der Autobahnauffahrt ein H- ein  Hotelschild. Und zwei Einfahrten davor das Schild zur Pension Central, "meine Navi-dame ruft "sie haben ihr Ziel erreicht" , es ist die richtige Haussnummer und wir stehen vor einem total heruntergekommenen Haus, am Eingang hängen aber diese Kästen zum Selbsteinchecken. Ich versuch durch die Scheiben etwas zu erkennen, und plötzlich ist Manne weg. Meine Reiseleitung hat mich im Stich gelassen, ist nirgends zu sehen, ist einfach weg. Naja ich bin müde, warte, schaue die Straße rauf und runter, warte, und nach langer langer Zeit kommt mein Reiseleiter wunderbarerweise wieder. Unsere Übernachtung ist tatsächlich in dem Hotel, falsche Hausnummer, aber die Dame murmelt etwas von upgrade und andere Gäsgte im Nebenhaus hätten verländert.... Als wir im Internet unter Pension Central nochmal nachschauen, gibt es auf der website einen Fotomix aus der alten Front- gefotoshoppt- den neuen Zimmern - da schlafen wir heute nacht- und sehr unterschiedlichen Badezimmern und einige furchtbar schlechte Bewertungen.
Mit Besichtungen in Spittal wird es heute nichts mehr, aber wir waren essen und genießen jetzt das schöne Zimmer und den megagroßen Fernsehbildschirm. Draußen regnet es immer noch.
Gute Nacht.

Eine kleine Rechtfertigung zu meiner Entschuldigung: Auf Booking war die Pension Central als 7 min vom Zentrum avisiert, was eine freche Falschinformation ist.

Und noch ein Versuch:
Eine weitere geographisch/musikalische Rätselfrage. (Die erste Mozartkugel vom Prolog ist auch noch zu vergeben).
In einem sehr beliebten Kärntner Volkslied, wird erklärt wo man die schönsten Blumen im Mölltal findet, wo wir heute vorbeigekommen sind?.
Wiederum für eine Mozartkugel: Wo blühen die schönsten Blumen im Mölltal?





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