17. Tag: In Bratislava



Da fahren wir morgen raus, in Richtung Wien. Friederikes letzter Tag auf dem Rad - auf dieser Reise. Da kommt schon so etwas wie leise Wehmut auf. Doch unser Sightseeingtag in Bratislava war übervoll mit tollen Eindrücken. Da wird ers schwer auszuwählen.

Zuerst sind wir hinauf auf die Burg. Logisch, hat sie uns schon bei der Anfahrt auf Bratislava sehr beeindruckt.
Über 1000 Jahre Baugeschichte, kann ich natürlich nicht zusammenfassen. Im Wesentlichen ist es heute ein Renaissancebau mit einem beeindruckenden Rokoko-Interieur.



Es gab wirklich viel zu entdecken in der Bratislaver Burg. Friederike war eingangs etwas frustriert, dass sie nicht gefragt worden ist, ob sie schon Rentnerin sei, denn für Rentner ist der Eintritt frei! Und wir bekamen ungefragt, das Rentnerticket.

Über 4 Stockwerke sehr interessante Ausstellungen. Religiöse Kunst, Widerstand im Faschismus, Tafelsilber, das Übliche. Was mir gefallen hat, ist, dass nicht versucht worden ist, einen "Pseudo-Urzustand" zusammenzustellen. Die Rokokoräumlichkeiten, die während der Zeit von Maria Theresia, bzw. während der Zeit, als ihre Lieblingstochter Mimi, mit ihrem Mann Albert, der die Albertina gegründet hat, hier wohnte, sind zwar noch erkennbar, aber als die beiden dann wieder abgedüst sind und alles Mobliar mitgenommen haben, waren die Räume leer. Dann im 19.Jahrhundert, nach einem großen Feuer, war eh alles weg. Die Burg heute ist ein sehr stilvoller Kompromiss zwischen historischem Gebäude und moderner Nutzung. - Sehr gelungen.

Eine Ausstellung, die des "Naiven" Martin Jonáš hat uns gut gefallen. Er hat einen ganz eigenen Stil und wurde für eine ganze Generation von "Folkloristen" stilprägend. Es ist vor allem der Humor, der aus den Bildern spricht, der sie nicht zum "Kitsch" werden lässt.



Das war das Stichwort zur "Mittagspause" .


Doch dann sind wir noch in die Historische Abteilung "geraten" und wurden von einer kleinen Sensation überrascht. Klein im Sinne von klein, aber ganz großartig in der Wirkung. Die Venus von Engen, klar, kennen nur wir, die Venus von Willendorf kennt jeder, aber die Venus von Moravany hat mich nicht minder beeindruckt.


Es gäbe noch viel zu berichten von der Burg und ihren Schätzen, aber dann kam ja noch die Nationalgalerie. Aber ein Schmankerl noch-


Speziell für Thea. Maria, Adam und Eva und die Schlange! Diese Kombi habe ich so noch nicht gesehen. Nachvollziehbar, die Verbindung AT und NT. Maria symbolisiert  die Erlösung von der "Erbsünde", die Eva und die Schlange über uns hereingebracht hat.

Am Nachmittag war ich dann noch in der Nationalgalerie. Das Palais Esterhazy ist er vor wenigen Jahren komplett modernisiert und um einen beeindruckenden Neubau erweitert worden. Sehr gelungene Museumsarchitektur!

 

Wie so oft, hart an der Grenze, dass sich die Architektur wichtiger nimmt, als ihre Funktion die sie haben sollte. Hier ist es gerade noch mal gut gegangen. Die Räume sind wirklich perfekt für Ausstellungen. Ob das Konzept der Nationalgalerie in allen Punkten so glücklich ist, da müsste ich jetzt weiter ausholen. - Aber nicht heute Abend.


Ein bisschen gewagt die Petersburger Hängung. Man könnte auch meinen, da fehlt es an "ordnender Hand", vor allem in der "ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts". Dabei ist diese Zusammenstellung ganz besonders spannend, weil hier die Kuratoren bemüht waren, den Eindruck zu erwecken, dass die Moderne in einer Region, die später zur Slowakei werden sollte, auf der Suche nach einer "nationalen Identität" gewesen sei. Was ein Quatsch, diese Art von "Moderne" war auch damals eher "rückwärtsgewandt".

Dafür hat die Nationalgalerie allerdings wirklich unglaublich "modernes" aus der 2.Hälfte des 20.Jahrhunderts zu bieten. Der Name Július Koller war mir bekannt, aber wie vielseitig er war, habe ich  nicht wirklich gewusst. Der Erfinder des "Antimuseums" ist mir ehrlich gesagt bedeutend sympathischer als der deutsche Kunstschamane Josef .Beuys






Aber auch andere Großinstallationen in diesem Museum sind bemerkenswert. Wie die Bibliothek von Kornel Földvari und seine Frau Nad´a. 


Und aus den Sammlungen von Stiftern haben sie eine Art Schaulager gemacht. Sehr gelungen, wenn auch etwas schräg.


Wie auch immer. Die Nationalgalerie von Bratislava ist einen Besuch wert! 
Aber jetzt Du, Friederike:

(frie) ich weiß nicht wie viele Höhenmeter wir heute gemacht haben: Hoch zur Burg, noch höher auf den Turm, runter in den Keller und wieder rauf, dann rauf und runter auf der Suche nach einem Kaffee, dann noch ein Turm...also ausruhen geht anders. 
Bratislava ist toll, viele Brunnen und Skulpturen, Kunst auf der Straße, Hofeingänge mit überraschenden Einblicken, Cafés und Kneipen. Unsere "Stammkneipe" ist 
"Das Flagschiff"- "größte Studentenkneipe in der Slowakei":




Das Gebäude war mal ein Theater, dann ein Krankenhaus der barmherzigen Brüder und in der Hauptsaison ist der Laden voll, mit Einheimischen und Touristen, die Preise sind mäßig, das Essen super, gutes Bier und lecker Wein und ein wunderbarer Biergarten.

Hier noch die Kunst der afghanischen Fotokünstlerin Fatimah Hossaini, deren Bilder auch über einer Straße hängen:





Hat mir sehr gut gefallen hier! 


Gute Nacht, mögen die Engelein euch behüten!

















  





 



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