13.Tag: Von Szentgotthárd nach Szombathely

 die Karte

Heute Morgen lief alles etwas anders. Da wir in einer Privatunterkunft waren, die kein Frühstück angeboten hat, mussten wir gleich nach dem Aufstehen aufs Rad steigen und ein Café/Bäckerei suchen. Beides hat geklappt! Frühstück gab´s im Rockcafé:



Und so waren wir relativ früh unterwegs. Was angesichts des sehr wechselhaften Wetters heute ganz gut war. Gestern Abend habe ich an der Strecke noch etwas rumgetüftelt, da mir Komoot zwar eine recht kurze, aber dafür sehr bergige Strecke angeboten hat. Nein, danke, dann lieber 10 km mehr - 60km, das ist auf dieser Tour in etwa der Schnitt.

Also lieber 25 km das Raabtal runter bis Körmend und dann hoch Richtung Szombathely. 

Und rein in die Pannonische Ebene.


Gut, dass heute Samstag ist und wenig Verkehr, denn auf unserer Strecke waren Radwege eher spärlich anzutreffen. Und so gut wie auf dem Bild waren die Straßen eher selten. Das Straßennetz der kleinen Straßen ist hier in dieser Ecke Ungarns schlecht bis verheerend. Die EU-Gelder müssen anderswo verbuddelt worden sein.
Die Dörfer auf der Strecke sind heute im Samstagmodus. Im Gegensatz zu den letzten Tagen, sieht man tatsächlich Menschen. Entweder Rasen oder Abwasserkanäle mähen oder einen gemütlichen Frühschoppen einmehmen. Die Underbergflasche bleibt da schon mal auf dem Tisch stehen. Aber wo man hinkommt wird gemäht. Wir haben uns schon gedacht, ob es ein Gesetz gibt, dass bis Ende Mai alle Gräben am Straßenrand gemäht sein müssen, denn hauptsächlich da wurde wie wild gesäbelt. Und das mir, der ich doch gerne beim ersten Anflug von gemähtem Gras das Niesen kriege. Aber heute ging es.


Zeitweise setzt sich blauer Himmel durch. Dann fängt es wieder zu nieseln an.



Ungewöhnlich dieses wirklich sehr große Mohnfeld. Die Blüte ist schon vorbei, die Mohnkapseln müssen jetzt noch trocknen. 


Das gibt Mohn für gewaltige viele Mohnbuchteln und Mohnstrietzel.

Vor Szombathely erwischt es uns dann doch noch heftig. Aber zum Glück hat es Bäume am Wegesrand. 




Da kam in kurzer Zeit gewaltig was runter. Aber wir waren früh dran, so konnten wir abwarten... und zwischen zwei heftigen Regengüssen haben wir das Hotel Forum erreicht. 
Und damit waren wir mitten in Savaria. 
Steinamanger ist ein wirklich interessantes Städtchen. Woher der seltsame Namen kam? Nach einer These, stammt der Name von Fränkischen Siedlern, die nach den Römern und den Slaven in die Gegend kamen und von den vielen Trümmern der Römischen Siedlung und dem Tempel beeindruckt waren und ihre Ansiedlung deshalb "Stein am Anger" nannten. Aber wosmas?
Viel wusste ich nicht von Steinamanger und schon garnicht, dass Leopold Blum, aus "Ulysses" hier in Szombathely "geboren" wurde.


Fast wäre ich an diesem Herrn vorbei gangen, doch halt! Den kennst du doch! Über der Tür ist ein Schild angebracht, dass dies das "Geburtshaus von Leopold Blum" sei! Wie nett! So nahe ist Steinamanger und Dublin beieinander.



Und noch eine andere "Partnerschaft" - oder besser gesagt Rivalität ist mir heute aufgefallen. Und  zwar zwischen der Partnerstadt von Engen Pannonhalma und Steinamanger. Bei reklamieren für sich, der Geburtsort vom Hl. Martin, dem Martin von Tour zu sein.
Liebe Pannonhalmer, ganz ehrlich, was ich heute an beeindruckenden römischen Funden und Siedlungsresten hier gesehen habe, bin ich ehrlich gesagt ziemlich sicher, dass das legendäre Savaria eher hier angesiedelt war als im schönen Pannonhalma. Da habe ich ehrlich gesagt nicht so richtig viele römische Funde gesehen. 
Aber sei´s drum, so oder so ist es doch verrückt, wie dieser Hl. St. Martin von einer römischen Siedlung in Pannonien in einem Gänsestall in Tours gelandet ist. "El mundo es un pañuelo" - die Welt war wohl auch vor 1.700 Jahren ein "Taschentuch".
Aber ich will Friederike auch noch was zum erzählen lassen.

(frie) ja, super interessant war das Iseum, also das Museum über die Rümerzeit und den Isiskult. Das Gelände, also auch die Ausgrabunsstätte, ist mitten in der Stadt:


Man sieht hier die römischen Säulen, im Hintergrund die Synagoge und nebenan ein modernes Kulturgebäude.
Tolle Ausstellungsstücke:



Und dann abends noch ein weiteres Kulturevent: ein Händelkonzert!
und/denn Manne will Fußball schauen.


Ich kenne natürlich weder Orchester, noch Solisten, weiß nicht was mich erwartet,  schließlich sind wir hier doch eher in der Provinz. 
Aber es ist ein unglaublich gutes Konzert. Ein Barockorchester vom Feinsten "Capella Savaria"und mit großer Lust am Musizieren. Und was für ein Chorklang! "Purcell Korus", wowww. Ich habe nachgeschaut, die sind alle sehr bekannt und preisgekrönt, vor allem auch der Dirigent Vashegyi György.

Und ein Kulturerlebnis war auch, wie das Publikum seine Begeisterung ausgedrückt hat:
Zuerst normales lautes, begeistertes Klatschen, ein paar Bravo-Rufe für die Sopranistin und den Oboe-Solisten. dann steigert sich das Klatschen nochmal, wird plötzlich rythmisch und- wie beim Fußball- zu einem einzigen Klatschen, schneller, immer schneller, die Künstler*innen verbeugen sich nochmal, gehen ab, es wird leiser und wieder wird aus den Klatschen ein einziger Sound. Toll! 

Ein wunderbares Musikerlebnis, der Manne bereut sehr nicht mitgegangen zu sein....vor allem weil das Fußballspiel auf unserem Hotelfernseher gar nicht übertragen wurde. Ohhhhhhh.

Noch einmal ich: Das müsst Ihr noch sehen. Heute sind wir wieder einmal in einem Dachzimmer gelandet. Ob das heute Nacht gut geht? Vorsichtshalber haben wir uns die Fahrradhelme auf die Nachttische gelegt:






Heute wieder ein Rätsel.

Ihr werdet es nicht glauben, aber mit Szombarthely verbindet mich schon seit ewigen Zeiten eine ganz besondere Verbindung. - Ein Lied. Das ich zu jeder passenden oder auch unpassenden Gelegenheit zum Besten gebe, weil es mir so gut gefällt. Ganz besonders auf Hochzeiten bin ich sehr gefürchtet. Und wahrscheinlich haben es sich manche 3x überlegt ob sie mich einladen sollen.
Ich will es erst einmal nicht zu leicht machen. Heute nur so viel. Vielleicht erinnert Ihr Euch, zu Anfang der Tour habe ich den Reim ".. Kammerfensterln bei der Stasi
                                                   und der Mond scheint bloach und Kasi"

den 2. Platz auf meiner Hitparade der schönsten Reime eingeräumt.
Das Lied das hier Sombarthely spielt hat mit großem Abstand den ersten Platz verdient.








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