10. Tag: in Varaždin

 

Das erste was mir an einem Ausruhtag auffällt, ist der fehlende Wetter- und Straßenbericht, wenn ich so langsam aufwache. Manne liest sonst immer schon im Handy, bei Wetteronline und murmelt von Gewitter um 10 und Gegenwind ab 13 Uhr, oder so ähnlich. Zum Glück stimmt es oft nicht und dann freuen wir uns darüber. Der zweite Unterschied ist: nach dem Frühstück wird gewaschen, die tropfende Wäsche erst in der Dusche, dann später-wenn's nicht mehr tropft- am Fenster- so es eines gibt- oder über Stuhllehnen, Heizkörper etc aufgehängt. Und dann startet das Tagesprogramm.

Heute ein gemütlicher Bummeltag durch Varazdin, ein ruhiges Städtchen, wenig Touristen, hübsche Cafés, witzige Fassaden





Hier präsentiert eine*r seine Buchauswahl : "Lolita" ganz vorne und, man glaubt es kaum "Winnetou"!

 Unser erstes Ziel ist das Schloß;




Von der Waffenkammer über eingerichtete Säle und Schlafräume, Gemälde, Bekleidung, Schmuck und Glaskunst...alles sehr schön aufbereitet und beschriftet. Aber nur in kroatisch, keine andere Sprache!

Außer die Verbotschilder "Please do not touch", "Please do not sit here", die sind für die Touristen.

Mehrere sehr disziplinierte Schulklassen sind mit uns unterwegs .

Die Bärin, das Wappentier von Varazdin , hat mir gefallen:



Danach entdecken wir eine Ausstellung zeitgenössischer kroatischer Künstler*innen:



und einen Eisenwerkzeug(schrott) künstler, der eine ganze Straßenzeile bestückt hat:



!The artist is not present!!!


Und jetzt ich:

Maribor, Slowenien.   Varaždin Kroatien. Zwei in etwa vergleichbare Städte, was die Größe anbelangt. Beide Unistädte, beide KuK geprägt. Ok,  Varaždin ist schon im Erscheinungsbild deutlich katholischer, Jesuitenkonvent, Ursulinen, Franziskaner. Katholische Buchhandlungen... Und nicht so herausgeputzt wie Maribor. Auch in Maribor gab es Viertel, die dringend erhalten werden müssten, Der restaurierte Kern in Varaždin ist deutlich kleiner, die baufälligen historischen Gebäude fallen mehr ins Auge. Vielleicht liegt es daran, dass nach Kroatien erst sehr viel später die ersten EU-Gelder flossen, Sloweniens Beitritt lag doch schon in den 00Jahren, oder? Der Euro wurde auch erst letztes Jahr Landeswährung, noch immer sieht man Waren auch in der alten Währung ausgezeichnet, auch auf den Speisekarten.

Doch das alles kann nicht der Grund dafür sein, dass man in Maribor an jeder Ecke ein Restaurant, einen Schnellimbiß, ein Caféhaus findet. Maribor ist rund um die Uhr am Essen. So wie man in Villach von einer Eisdiele in die nächste gestolpert ist. Und  Varaždin? Nur Bars und Cafés, Restaurants Fehlanzeige.

Schon gestern Abend sind wir im Regen rumgestapft, um "das" Restaurant in der Nähe" zu finden, das uns die Dame an der Rezeption empfohlen hatte. Wir haben es nicht gefunden. Und sind in einer anderen Pension geladet, deren riesiger Speisesaal am Tristesse nicht zu überbieten war. Nur ein Gast, später noch einer, eine schauerliche Playlist der beliebtesten Songs der Popgeschichte. Ein dickes Buch, als Speisekarte, und  unser Essen war so fad, wie der Regen, der die Fenster, runterlief. Im Gegensatz zum Rotwein von Friederike, der sich als Salatdressing geeignet hätte, was wiederum dazu führte, dass Sie mir mein Bier weggetrunken hat, was nicht zur Verbesserung meiner Laune beitrug.

Also haben wir beschlossen, heute im Zentrum Mittag zu essen. Wir haben die Stadt 2x abgeklappert - nichts. Auf dem Rathausplatz jede Menge Cafés, gut besucht, die Gäste saßen vor ihrem  Bier oder Kaffee, nichts zu essen. Erst als wir jemand gefragt haben, bekamen wir den Tipp es im "Angelus" zu versuchen. Eine sehr gut versteckte Pizzeria in einem  Kellergeschoss, der Eingang zwischen zwei Häusern. So als wäre Essen gehen etwas Unanständiges.

Was macht der Varazdiner wenn er Hunger hat? 

Geht er nach Hause? Trinkt er stattdessen ein Bier? Wer weiß das schon. 

Mit dieser Etappe endet unser Drauradweg-Abschnitt. Wir haben den östlichsten Punkt unserer Reise erreicht. Von jetzt an sind wir quasi auf dem Heimweg. Von hier bis Bratislava gibt es auch keinen Fernreiseradweg mehr. Wir müssen uns auf lokalen Radrouten durchschlagen. Was das bedeutet, haben wir gestern schon ein wenig erfahren müssen. Für einen Radweg haben sie in Kroatien bisher hauptsächlich ein paar Eimer weiße Farbe investiert, mit der ein kleiner Streifen der Fahrbahn zum Radweg deklariert wird. Macht bei stärkerem Verkehrsaufkommen nicht wirklich Laune. Aber wir werden sehen - und kleine Sträßchen gibt es überall.

Zum Schluss, noch mal die Rätselspalte:

Herr S. aus E., und aus dem fernen Spanien zugeschaltet M.M., derzeit in D., haben die richtige Antwort auf unsere Marienfrage gefunden. Richtig: Wir sind an "Maria in der Wüste" vorbei gekommen.


Dummerweise, war die Kirche geschlossen, so dass ich keine Chance hatte herauszbekommen, woher der Name kommt. Ich habe 3 Lösungen:
Entweder es geht um die Marienlegende, dass sie, die Jungfrau,  als sie ihr "Me too" Erlebnis hatte, in die Wüste ging und mit sich und Gott haderte, dass er sie in diese "Lage" gebracht hatte - vermutlich eine Parallelerzählung zu Jesus Rückzug in die Wüste, ehe die Passion begann.
Oder es geht gar um eine andere Maria, die von Ägypten, eine frühchristliche Eremitin (sehr selten!),  die mit 2 Broten in die Wüste zog, und nach 30(?+ -) Jahren nackt aber vollständig vom Haupthaar bedeckt (so zumindest die Darstellungen) zu letzten Eucharistie wieder aus der Wüste zurück kam. Schaurige Geschichten hat der Heiligenkalender zu bieten! Aber dazu hätte man in der Kirche schauen müssen, ob es dort eine solche haarige Heilige gibt.
Oder, und das ist meine eigentliche Vermutung, die Bezeichnung geht auf die mittelalterliche Bedeutung von "Wüstenei" zurück, mit dem öde, unbewohnte Gebiete, gemeint waren, die durchaus bewaldet sein durften.

So, und nun zum heutigen Rätsel:
Wir waren, siehe oben, mal wieder in einem Weinbaumuseum. Und jedes ordentliche Weinbaumuseum hat natürlich eine Darstellung dieser Geschichte.


Nein, halt! Das wäre zu einfach! Meine Frage lautet: "Was haben die beiden Herren mit Tübingen zu tun?"
!

(frie) okay, war mir auch neu!

Ach und noch was:
Eine weitere Mozartkugel für die beste Geschichte, warum auf dieser Kanzel nur noch der Arm mit dem Kreuz zu sehen ist. Handelt es sich hier um Alkoholmißbrauch im Amt?




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